Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur die Juden von dem Zinsverbot ausdrücklich ausgenommen haben. Auch in Bayern lagdie Handhabung der Judengesetzgebung bei den weltlichen Herrschern. In den erwähnten beiden Landfrieden setzten sie für die Juden Höchstzinssätze fest (S. 186 f.). Der gleiche Satz von zwei Pfennigen vom Pfund in der Woche findet sich auch im Münchener Stadtrecht von 1347. Das Zinsnehmen wurde also als wucherisch nur angesehen, soweit die Zinsen über den erlaubten Satz hinausgingen. Haüe\Saale. Guido Kisdi. Anton Henseler, Offenbach. Berlin-Schöneberg 1930. Max Hesse. 495 S., 107 Notenbeispiele, 24 zum Teil bisher unveröffentlichte Bilder und Faksimilia. Zum 50. Todestage Offenbachs erschien diese kritische Biographie, die trotz der unterhaltsamen Darstellungsart allen Anforderungen, die man an eine wissenschaftliche Behandlung des Lebens und Lebenswerkes Offenbachs stellen kann, gerecht wird. Damit ist eine Aufgabe gelöst, die bisher noch ihrer Lösung harrte. Musikalisches Verständnis für die teils jüdischen, teils kölnischkarnevalistischen Quellen der Offenbachschen Musik wird durch sorgfältige Analyse der Themen dem Leser ermöglicht. Dabei werden interessante Zusammenhänge neu aufgedeckt, wenn Henseler z. B. das fast wörtliche Zitat eines Karnevalliedes von Leibi im Walzer des Ballets in Offenbachs Trombalcazar nachweist oder das Wiederkehren der bekannten Melodie — von Offenbachs Vater — „Ein Lämmlein, ein Lämmlein" aus der Pesachhagadah in der „Großherzogin von Gerolstein" oder „Genoveva" von Offenbach-Sohn. Auch in „Le Violineux", einer Komposition aus der Zeit, als Offenbach längst zum Katholizismus übergetreten war, wird von Henseler eine uralte Synagogenmelodie nachgewiesen. Diese wenigen Beispiele sollen nur zeigen, wie sorgfältig der Autor allen Zusammenhängen Offenbachscher Musik mit ihren interessanten Quellen in mühseliger, aber erfolgreicher Arbeit nachgegangen ist. Nicht minder sorgfältig und unter Ausnutzung, oft erst Entdeckung alter Quellen (z. B. fast 1000 ungedruckter Offenbach-Briefe!) ist die Biographie Offenbachs in fast lückenloser Einheitlichkeit gestaltet Der Autor zeigt anschaulich den Weg des Künstlers aus der Familie des kleinen jüdischen Kantors, der sein Vater und erster fast zu gescheiter und tüchtiger Impresario war, aus den eben gestürzten Mauern des Ghettos in das große, jeder Entwicklung zugängliche und förderliche Paris, wo der sechzehnjährige Offenbach als Cellovirtuose Aufsehen erregte. Kölner Humor und Frohsinn verläßt ihn nicht und leitet seine Muse. Eindrucksvoll ist die Entwicklung der Offenbachschen Kunst von Cellokompositionen über kleine Buffonerien zu dem von Offenbach neu geschaffenen musikalischen Typ, der Operette, geschildert. Mit dieser Tat hat der Künstler für alle späteren ähnlichen Kompositionen das heute schon als klassisch zu bezeichnende Beispiel geschaffen, das seither nicht überflügelt worden ist. Auch die Darstellung der persönlichen Schicksale Offenbachs, sein Aufstieg zu Ruhm und Können, zum Komponisten mit eigener Bühne, dem eine Welt bewundernd zu Füßen lag, und der abschüssige Weg zur eisigen Einsamkeit wird außerordentlich spannend und doch stete an der Hand genau erforschten Quellenmaterials geschildert. Den Riesenerfolg seines bedeutendsten aus tiefer Verbitterung und Vereinsamung und dem Wissen um den nahen Tod geborenen Werkes „Hoffmanns Erzählungen" hat Offenbach nicht mehr erlebt. Eine Zusammenstellung der zeitgenössischen und späteren Kritiken über Offenbach erhöht den Wert des Werkes als kulturhistorische Darstellung. Köln, Ruth Kisdi-Arndt. 58