Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur liegen vielmehr so, „daß die Wirtschaftsmächte eine ihnen günstige Religionsform akzeptierten, sich ihrer als Instrument bedienten und sich mit ihrer Hilfe ein Bett gruben, das in Wahrheit dem Schwergewichte der Wirtschaftsströmungen Tiefe und Richtung verdankt". Mit anderen Worten: Die puritanische Religion als solche ist zwar nicht die Schöpferin des „kapitalistischen Geistes", aber sie mußte dazu herhalten, ihn zu rechtfertigen. Indem sie bereitwillig auf die Forderungen von Gewerbe und Handel einging, wurde sie aus der Königin zur „Magd" der Wirtschaft, „deren Tugenden sie mit der Gloriole der Heiligkeit krönte, deren Gesetzen und Diktaten sie das Siegel göttlicher Approbation aufdrückte, deren Erfolge sie als Segen des Allerhöchsten für sein auserwähltes Volk selig pries. . . . Statt des alten Gegensatzes entdeckte man eine tiefgehende innere Wahlverwandtschaft und eine wunderbare praestabilierte Harmonie zwischen Wirtschaftsinteressen und Gewinnstreben auf der einen und religiöser Pflichterfüllung in dem von Gott auferlegten und gesegneten Berufe auf der anderen Seite" (S. 255). In der Tat erscheint auch mir und wohl jedem unvoreingenommenen Leser des Buches dieser Zusammenhang sehr viel einleuchtender als die Auffassung Max Webers, die dem Geist des Menschen allzu viel schöpferische Kraft zutraut, die Macht der „Realfaktoren" dagegen ganz wesentlich unterschätzt. Auch das Verhältnis zwischen der jüdischen Religion und der Entstehung des „kapitalistischen Geistes" dürfte prinzipiell kern anderes sein. Doch bleibt das zunächst noch ein Problem, zu dessen Lösung es eines ebenso vorurteilslosen Bearbeiters bedarf, als der sich der Jesuitenpater J. B. Kraus in diesem Buche erwiesen hat. Halle/Saale. Georg Jahn. Irma Goitein, Probleme der Gesellschaft und des Staates bei Moses Hess. (Beihefte zum Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung, hgg. von Carl Grünberg, Heft 5). Leipzig 1931, C. L. Hirschfeld. 181 S. Moses Hess (1812—1875), utopischer Sozialist und Vorläufer des Zionismus, war ursprünglich Junghegelianer, geriet dann in zunehmendem Grade unter den Einfluß von Feuerbach und von Fichte, um sich schließlich Marx zu nähern, ohne sich ihm anzuschließen. Die vorliegende Schrift untersucht diese geistige Entwicklung von Hess in der Zeit von 1837 bis 1851 und zeigt, wie sich sein idealistisch-utopischer Sozialismus gewandelt hat, jedoch nicht zum „wissenschaftlichen" Sozialismus im Sinne von Marx geworden ist. Die Arbeit, deren Anhang einige noch ungedruckte kleinere Schriften und Briefe enthält, ist ein wertvoller Beitrag zur Hess-Literatur. Halle/Saale. Georg Jahn. Aus der Geschiente der Juden im Rheinland; Jüdische Kult- und Kunstdenkmäler. (Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz 1931, Heft 1.) Düsseldorf 1931. L. Schwann. 208 S. mit einer Siedlungskarte und zahlreichen Abbildungen im Text. I. Adolf Kober: Aus der Geschichte der Juden im Rheinland. (S. 1—98.) Das Geleitwort der Schriftleitung hebt im Einklang mit den Wünschen des Verfassers hervor, daß seine Darstellung nicht eine „Geschichte der Juden in den Rheinlanden", sondern nur „Bilder aus der Geschichte der Juden am Mittel- und Niederrhein" geben wolle. Der Ausdruck „Bilder" bezeichnet die Leistung wohl nicht ganz genau. Anschauliche EinbKcke in das innere Leben der Judengemeinden und in ihre Beziehungen zur Umwelt werden uns nur sparsam gewährt, — sparsamer vielleicht, als es der Zusammenordnung 55