Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Majer Balaban. Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Juder.gemeinde wörtlicher, deutscher Uebersetzung, die ich zum Teil mit hebräischen Glossen versehen habe. Eine hebräische Rückübersetzung zu liefern, war infolge der mutwilligen Aenderungen des Uebersetzers unmöglich. Die lateinischen Phrasen habe ich in deutschem Text gelassen. Dem Direktor des Staatsarchivs in Krakau Dr. Franz Duda sei hier mein Dank für die eigenhändige Anfertigung und Zusendung einer korrekten Abschrift des Dokumentes abgestattet. Staatsarchiv in Krakow, Relationes castri cracoviensis, Bd. 98 A pg. 990—994, Nr. 318. Datum des Eintrages (Oblata) am 7. April 1761. Oblata decreti judaici ex hebraico idiomate in polonicum interpretati. Ad officium et acta praesentia castrensia, capitanealia, cracoviensia personaliter veniens infidus Isaac Salamonowicz, syndicus judaeorum Casimiriensium ad Cracoviam, copiam decreti infrascripti judaici ex hebraico idiomate in polonicum per eundem syndicum interpretati, officio praesenti, castrensi, capitaneali, cracoviensi ad acticandum obtulit, petens, a se offerente suscipi et actis praesentibus connotari. Cuius affectationi officium praesens annuendo, copiam eandem decreti suscepit et in acta sua inscribere mandavit, juxta tenorem infrascriptum talem: Copie des Urteils, welches gefällt wurde auf dem Judentage in Göding im Mähren zwischen den Wiener Juden als Klägern und dem ehrenwerten Juda Simonowicz, Bürger61) aus Wien. Es wurden vor uns Judenrichter und andere Rabbiner hier am Judentage62) zu Göding in Mähren vorgeladen und sind erschienen Wiener Bürger in großer Anzahl, unter ihnen einige Vorsteher, als Kläger gegen den angeklagten ehrenwerten63) Juda Simonowicz, der in Wien Senior, Rat und Bürgermeister64) in früherer Zeit gewesen war und eben damals residierte und gouvernierte (amtierte), als sie Wien verlassen sollten. Auf sein Wort hörte die gesamte jüdische Gommunitas65), und alle Abgaben, die damals einkassiert wurden, respektive sämtliche Contributiones, Servise, Simpeln66), groß und klein, die sie untereinander behufs Deckung der Schulden, die aus alter Zeit auf der Communitas lasteten und gar nicht klein waren, zusammenschössen, gingen durch seine Hand. Davon ist manche große Summe bei ihm geblieben, und nun verlangten alle, daß er von diesen Contributiones Rechnung lege und nachweise, wofür diese Gelder verwendet wurden, wie auch, wo und wem er die Deposita in barem Gelde, die ihm von der Brüderschaft67) wie auch von den Zünften68) zwecks Verteilung unter die Armen übergeben wurden, verwendet hatte. Auch verlangte man Rechnungslage von dem Erlös für das Synagogensilber, welches zur Tilgung der Schulden und Unterstützung der armen Auswanderer bestimmt war, wie auch von manchen Summen, die aus der Kasse der Lohnherren69) ihm übertragen wurden. Darauf antwortet der oberwähnte Herr Juda Simonowicz: „Es sind hier in der Stadt viele Wiener Bürger vorhanden, unter ihnen mehrere Seniores70), die mit mir zusammen in der Verwaltung der Wiener Gemeinde saßen. Daher will M) Im hebräischen Text stand sicher ptpn, Taan. «2) "in oder HSDK, bei polnischen Judentagen nnan ]r£nv. Wieder pxpn syfcKn. 6*) Senior 0313, Rat "TOT aiö, Bürgermeister VTIVl 03*12 oder mm «an. 64 rramp nbnp p> 66) Contributio Ott, Simpla ö"GD plur D'fc'CD, Service: Abgaben an Beamte. 67) rranp man, es) man zum Beispiel DW» *vrcbtti rramp man (Schneider). 69) Lohnherrn hießen in den polnischen Städten mit Magdeburgischen Rechten die Stadtkassiere und Kontrolleure, daher die Lohnherei, polonisiert: Lunaria: Stadtkasse, hier Gemeindekasse bnpn ns*ip. 70) B-osna.