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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 213

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension] / Kisch, Guido
Date
1931-01-01
Page
Seite 213 (sequence 1)
Language
German
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Literatur Festschrift zu Simon Dubnows 70. Geburtstag, hgg. von Ismar Elbogen, Josef Meisl, Mark Wischnitzer. Berlin 1930. Jüdischer Verlag G.m.b.H. 296 S. Anläßlich des 70. Geburtstages von Simon Dubnow ist die jüdische Geschichtswissenschaft um ein wertvolles Sammelwerk bereichert worden. Eröffnet wird dieses durch einen ausgezeichneten Ueberblick über die jüdische Geschichtsforschung in den 50 Jahren, die zwischen dem Erscheinen des letzten Bandes des Graetzschen und des ersten Bandes des Dubnowschen Geschichtswerkes liegen, aus der Feder I. Elbogens. Zwei geschichtsphilosophische Essays schließen sich an: A. S. Steinberg untersucht die weltanschaulichen Voraussetzungen, I. R a b i n betrachtet Stoff und Idee in der jüdischen Geschichtsschreibung. Es folgt eine Fülle interessanter Arbeiten aus zahlreichen Gebieten der Geschichte der Juden: Beiträge zur allgemeinen politischen Geschichte, zur Landes- und Ortsgeschichte, zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte, zur Religions-, Kultus- und Unterrichtsgeschichte, zur Kunstgeschichte, zur Wissenschafts-, Personen- und Familiengeschichte. Der reichhaltige Band, auf dessen Inhalt im einzelnen einzugehen der knappe Raum dieser Anzeige leider nicht gestattet, wird abgeschlossen durch eine Zusammenstellung der Abhandlungen und Schriften des Gefeierten. Das inhaltreiche Werk wird in keiner geschichtswissenschaftlichen Bibliothek fehlen dürfen. HallejSaale. Guido Kisch. Alfred Hessel, Jahrbücher des Deutschen Reichs unter K ö n i £ Albrecht I. von Habsburg. (Jahrbücher der Deutschen Geschichte, hgg. durch die Historische Kommission bei der Bayrischen Akademie der Wissenschaften). München 1931, Duncker und Humblot. XXXI, 251 S. In dem umfassenden Werke finden die Verhältnisse der Juden unter Rudolfs von Habsburg erstgeborenem Sohne Albrecht I. nur kurze, aber doch bemerkenswerte Erwähnung (besonders S. 68 und 200). Bekanntlich waren 1298 in dem Städtchen Röttingen an der Tauber, hervorgerufen durch angebliche Hostienschändung, furchtbare Judenverfolgungen ausgebrochen, geschürt durch den fränkischen Edelmann Rintfleisch. Sie breiteten sich bis nach Schwaben, in Bayern und über Oesterreich aus. Albrechts I. Haltung, die schon von Scherer in seinem Werke „Die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutschösterreichischen Ländern", (Leipzig 1901, S. 345 ff.) behandelt worden ist, war auch nach Hessel nicht durch Gefühlsmomente gegenüber den Juden bestimmt. Albrecht betrachtete diese als des Reiches Kammerknechte, welche ihrem Schützer hohe Abgaben schuldeten. (Vgl. jetzt auch Herbert Fischer, Die verfassungsrechtliche Stellung der Juden in den deutschen Städten während des 13. Jahrhunderts, Breslau 1931, S. 57 ff.). Deshalb ging er mit schweren Geldstrafen gegen die Städte vor und sorgte für Wiederansiedelung der Juden. In späteren Erlassen wurden Ausbeutung und Vergewaltigung der Juden untersagt und zu ihren Gunsten ein geregeltes Prozeßverfahren vor dem Hofgericht für ihre Schuldklagen zur Verfügung gestellt. Freilich entsprachen dem verstärkten Schutz auch erhöhte Abgaben, z. B. hatte die Judenschaft von Nürnberg ebensoviel zu zahlen, wie die gesamte dortige Bürgerschaft entrichtete. Albrechts Judenpolitik wird im allgemeinen von Hessel günstiger beurteilt, als dies von Scherers Seite geschehen war, dem Ungerechtigkeit zum Vorwurf gemacht wird (S. 200 Anm. 172). Scherer hatte der Judenpolitik Albrechts im Reiche die in den österreichischen Erbländern gegenübergestellt. Seine Einstellung ist sachlich und maßvoll. In der Anführung von Beispielen für starke Verschuldung des Adels an Juden (a.a.O.) wird man einen Gegenbeweis gegen Scherers reichhaltiges Material nicht erblicken können. Und daß für Albrechts Verhalten gegenüber den Juden politische Motive bestimmend gewesen sind, bestreitet auch Hessel nicht. HallejSaale. Guido Kisch. 213 t i

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