Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Zur Soziographie und Soziologie der Juden [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 6)
- Language
- German
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Literatur Breslau, Frankfurt a.M., Köln. Außerdem sind gesondert behandelt — für ganz Preußen sowie für Berlin — die jüdischen selbständigen Erwerbstätigen in der Unterscheidung nach Inhabern, Direktoren usw. und nach Hausgewerbetreibenden sowie nach Wirtschaftsabteilungen, -gruppen und -zweigen, die jüdischen technischen und kaufmännischen Angestellten sowie die jüdischen Gehilfen, Gesellen und Arbeiter nach Wirtschaftsgruppen und -abteilungen, endlich die jüdischen Angestellten, Gehilfen, Gesellen und Arbeiter nach Berufsarten. Dem Tabellenwerk vorausgeschickt ist ein umfangreicher Textteil, der inhaltlich weit über das erstere hinausgeht. Eingeleitet wird dieser durch einen ausgezeichneten Ueberblick über die zahlenmäßige Entwicklung der preußischen Juden vom befreienden Edikt von 1812 bis zur letzten Volkszählung, für den nicht nur manche entlegenen Quellen, sondern auch bisher noch ungedrucktes Material aus älterer Zeit verwendet werden konnte. Dann folgen zusammenfassende Darstellungen der räumlichen Verteilung, der Zusammensetzung nach dem Geschlecht, der Altersgliederung als solcher, der Verteilung der Gesamtmasse auf die großen Altersstufen der Kindheit, der Aktivität und der Invalidität sowie des Familienstandes in Kombination mit dem Alter. Besonders ausführlich endlich sind die Ergebnisse der Berufsstatistik wiedergegeben worden. Außer einem Ueberblick über die Anfänge und die Entwicklung der Berufsstatistik der Juden in Preußen (von 1834 ab) umfaßt diese Darstellung die wirtschaftliche Gliederung der hauptberuflich Erwerbstätigen sowie die gesellschaftliche Schichtung in Selbständige, Angestellte, Arbeiter, mithelfende Familienangehörige und Hausangestellte, die selbstverständlich beide mit denen der Gesamtbevölkerung verglichen worden sind, da nur auf diese Weise ihre relative Bedeutung erfaßt werden kann. So ist ein Werk entstanden, das ohne Zweifel die Grundlage jeder Soziographie der deutschen Juden jetzt und in der Zukunft bilden wird. Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums, die es angeregt und seine Durchführung ermöglicht hat, verdient deshalb nicht nur die Anerkennung aller interessierten jüdischen Kreise, sondern auch der Vertreter der Sozialwissenschaften außerhalb des Judentums. Sie wird darüber hinaus hoffentlich die Genugtuung haben, daß ihr Beispiel im Auslande nachgeahmt und entsprechende Sonderstatistiken auch für die jüdische Bevölkerung anderer Staaten geschaffen werden. Dann wird es in absehbarer Zeit möglich sein, eine Soziographie der Juden auf breitester Materialbasis zu schaffen und damit zugleich den Grund zur „Soziologie der Juden" zu legen. Besprechungen Bernhard Wachstein, Zur Bibliographie der Gedächtnis- und Trauervorträge in der hebräischen Literatur. 1—3. (= Veröffentlichungen der Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde Wien. III—V.) Wien 1922—30. 8°. 1: 72, 6, 16 S. Preis S 2.50; 2: 53, 1, XV, S. Preis S 3.—; 3: 115, XXXIV, S. Spezialbibliographien sind vom Verfasser, dem Bibliothekar der israelitischen Kultusgemeinde Wien, als Ersatz für einen Katalog der Hebraica gedacht, der durch die Ungunst der Zeit nicht gedruckt werden kann. Die vorliegenden 3 Hefte sind eine Erweiterung der von Jellinek in der Jubelschrift zum 90. Geburtstag von L. Zunz (1884) gegebenen Bibliographie von Trauerreden. Für Orts- und Famiüengeschichte sind diese Bibliographien von unschätzbarem Wert. Sind sie doch vielfach die einzige Quelle, die aufzufinden viel Mühe und Fleiß erfordert, die aber dann auch von großem Nutzen sein kann. Der Verfasser ist von seinem ursprünglichen Plan, nur die Trauerreden, die in den im Besitz der von ihm geleiteten Bibliothek enthaltenen Büchern sich finden, zu verzeichnen, abgegangen und hat alle ihm zugänglichen Bücher hineingezogen, die Trauerreden enthalten. Ein in Aussicht genommenes Generalregister wird die Benutzung erleichtern. Frankfurt a. M. A. Freimann. 212