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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 207

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Abschrift aus einer Reisebeschreibung von Otto Blome im Jahre 1808
Date
1931-01-01
Page
Seite 207 (sequence 1)
Language
German
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Abschrift aus einer Reisebeschreibung von Otto Blome im Jahre 1808. Ms. im Besitze von Dr. Jacob Klatzkin. Als wir einige Erfrischungen zu uns genommen hatten, machten wir uns auf, um das Israelitische Institut zu besehen. Der von den Zöglingen so genannte Hausvater, führte uns zuerst in den vor kurzem neu eingerichteten Judentempel, welcher sehr besehenswert, vorzüglich inwendig ist. Der Tempel ist prächtig und größtenteils geschmackvoll, er ist vielleicht der einzige seiner Art in Deutschland, und er ist mehr zum Prunk als zur Verehrung des Gottes aller Götter eingerichtet; denn die Judengemeinde zu Seesen ist nicht groß und der eigentliche Zweck des Tempels sollte ein Bethaus für das Israelitische Institut sein. Der Tempel ist mit mehreren' Inschriften versehen, welche fast alle aus dem neuen Testamente sind, seine Bauart ist aber besonders. Die Stände an den Seiten sind sehr einfach, in der Mitte ist ein erhöhter Platz, an welchem von beiden Seiten Stufen hinauf führen. Es werden Vorlesungen darauf gehalten. Rund herum ist dieser Platz an den Seitenbrettern mit hebräischen und deutschen Inschriften versehen. Gegenüber war noch ein erhöhter Platz, welchen man einen Altar nennen könnte; es war aber keiner, sondern im Hintergrunde befindet sich ein bunter Vorhang, hinter welchem das Allerheihgste ist. Oben über diesem sind die Gesetzestafeln, hinter denselben eine Wolke, woraus Blitze fahren, gemalen, und die Decke stellt den Himmel dar. Gegenüber ist eine Orgel. Der Tempel ist von Holz, oben darauf ist er mit einem Turme, einer Uhr und einer Gallerie versehen. Die Gebäude des Instituts sind schön prächtig und in einem sehr guten Zustande. . . Literatur*) Zur Sonographie und Soziologie der Juden von Georg Jahn Kein anderes Volk der Erde vermag dem Soziologen ein größeres Interesse abzugewinnen als das der Juden-. Die Zerstreutheit der Juden fast über die ganze bewohnte Erde, ihr Eingesprengtsein in Bevölkerungen wechselnder Kassezugehörigkeit und verschiedenster wirtschaftlicher und sozialer Struktur, die Wechselwirkungen, die sich daraus zwischen den Juden und der jeweils umgebenden Bevölkerung wie zwischen den Judenschaften verschiedener Länder ergeben, schließen eine solche Fülle von Problemen in sich, daß es verwunderlich ist, wie wenig sich die Fach-Soziologie bisher um dieses interessante Objekt gekümmert und seine Untersuchung systematisch in Angriff genommen hat. Freilich liegen gerade in der Tatsache, daß die Juden keine Nation bilden und deshalb nirgends — auch in Palästina noch nicht — einen geschlossenen sozialen Organismus entwickelt haben, die größten Hemmungen und Schwierigkeiten für eine wirklich umfassende, die Totalität der Erscheinungen bewältigende Untersuchung. Soziologie ist die Lehre von den Wechselbeziehungen und Wechselwirkungen der Individuen in der Gesellschaft, ihr Gegenstand also der „vergesellschaftete" Mensch, d.h. die Verknüpfung der Einzelmenschen zu Sozialgebilden, die Form und Struktur dieser Gebilde, die Bindungen, die die Einzelnen durch sie erleiden, die Beeinflussung und Bestimmung ihres Denkens und Handelns durch das Gliedsein im Gebilde, die Verhältnisse und Beziehungen, die durch das Zusammen- und Gegeneinanderwirken solcher Gebilde Zustandekommen und ähnliches mehr. Es scheint *) Die Schriftleitung des gesamten Literaturteils liegt von Heft 3 an in Händen von Universitätsprofessor Dr. Guido Kisch (Halle a. d. S., Humboldtstr. 23), an den alle bezüglichen Zuschriften zu richten sind. 207

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