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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 79

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 79 (sequence 2)
Language
German
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Bücherschau liehen jüdischen Symbolen eine lateinische Inschrift trägt? Erst in einigen — aber nicht den besten — Katakombenmalereien Roms häufen sich die jüdischen Embleme, hier waren wohl jüdische Maler tätig. Es liegt nichts im Wege, ähnliches auch für die Reliefplastik der Sarkophage anzunehmen. Fast das halbe Buch ist der Kunst des Golus und Ghetto gewidmet. Hatte schon das selbständige Palästina keinen jüdischen Stil schaffen können, so konnte es die verstreute Judenheit erst recht nicht. In Spanien wurde arabisch gebaut, im deutschen Mittelalter romanisch und gotisch. Aus Italien werden jüdischen Zwecken dienende Renaissancearbeiten vorgeführt. Illustrationen hebräischer Handschriften aus sechs Jahrhunderten werden besprochen. Mit größtem Lob wird auch bei Denkmalen zweiter Ordnung nicht gespart, das in allen Fällen der Kunst der Juden zugute kommen soll. Doch gerade bei den vorzüglichsten Bauten und kunstgewerblichen Arbeiten bleibt es auch hier höchst unsicher, ob sie von Juden oder lediglich in ihrem Auftrage ausgeführt wurden. Bei den Buchmatereien wäre, wie bei dem Schmuck der Katakomben, eine jüdische Herkunft schon eher anzunehmen, doch da geht wieder die Qualität nur selten über das Durchschnittliche hinaus. Cohn-Wiener ist der erste, der die Kunst Palästinas und der Juden innerhalb des Landes in zusammenfassender Weise behandelt. Seine Schrift ist die Frucht mühevoller Arbeit, die durch temperamentvolle Diktion und gepflegte Sprache angenehm verhüllt wird, was zur guten Lesbarkeit des Buches auch für den Nichtfachmann viel beiträgt. Cohn-Wiener hat damit zur Klärung der Kulturgeschichte der Juden viel beigetragen. Freilich hätte man es an Stelle seiner Lobeshymnen mehr begrüßt, wenn er die Probleme der „jüdischen" Kunst, die die asiatischen und europäischen Stile wie ein Schatten begleitet, behutsamer angefaßt, kühler und kritischer geprüft hätte. Die schöpferische Tätigkeit der Juden auf den Gebieten der Religion, Dichtung und Wissenschaft, der Begründung neuer Wirtschaftsformen und sozialer Systeme ist wahrlich großartig genug, als daß die Annexion fremder Schöpfungen und die Ueberschätzung von Mittelgut ihre Verdienste um die abendländische Welt mehren könnte. Die Grundfrage ist und bleibt, ob man von einer jüdischen Kunst in demselben Sinne sprechen könne wie von einer ägyptischen, griechischen oder italienischen. Die Antwort kann nur verneinend lauten. In der Zeit der Selbständigkeit Palästinas, wo die Juden einen eigenen Stil hätten schaffen können, waren sie mit anderen Dingen beschäftigt. Sie wurden von den Kunstformen der großen Nachbargebiete überflutet. Nachher fehlte es ihnen an Kontinuität der Entwicklung und an der geistigen Mitte und Konzentration, die das Entstehen einer eigenen jüdischen Ausdruckssprache in der bildenden Kunst begünstigt hätte. Aber auch die negative Erkenntnis ist von Bedeutung, weil sie für die Einordnung der Juden in die Umwelt bezeichnend ist, und die reiche Materialsammlung Cohn-Wieners ist, indem sie diese Erkenntnis ermöglicht und stützt, durchaus verdienstlich. Franz Stadler. Alfred Grotte, „Synagogen" - Kirchen in Schlesien. Sonderdruck. Verein „Jüdisches Museum E.V." zu Breslau. 1929. Die in der preußischen Ministerialzeitschrift „Denkmalpflege und Heimatschutz" erschienene Untersuchung des Pflegers der Kunstdenkmäler Schlesiens, Professor Dr. Grotte, hat der rührige Jüdische Museumsverein zu Breslau gelegentlich des Erscheinens seines ersten Jahresberichts als Sonderdruck verbreitet. Grotte beschäftigt sich erschöpfend mit drei Kirchen (St. Salvator in Oels, St. Barbara in Striegau und St. Adalbert in Jauer), die nachweislich unter Erhaltung des Bauwerks aus ehemaligen Synagogen ihrer neuen Bestimmung entsprechend umgewandelt wurden. Von besonderem Interesse ist dabei, daß wir bei der Oelser Salvatorkirche auf das Schema der zweischiffigen Halle stoßen, die in den Synagogen zu Worms, Regensburg und Prag zur Genüge belegt ist. Grotte macht aus dem historischen Entwicklungsgang der schlesischen Judenschaft glaubhaft, daß hierbei der Einfluß der Altneuschule maßgebend war. Die Kir- 79

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