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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 72

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 1
Article
Neue Funde zur ältesten Geschichte der portugiesischen Juden in Hamburg
Date
1931-01-01
Page
Seite 72 (sequence 15)
Language
German
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wurde dann aber mit dem Bann belegt und mußte diese Stadt verlassen (s. Seeligmarm: Bibliographie en Historie, p. 48). Von den Brüdern da Costa ist nur Mordechay (gest. 1645) in Altona begraben (Vgl. A. Cassuto: „Elementes para a Historia dos Judeus Portuguezes em Hamburgo" Lisboa 1930, p. 13). 58) Alias Samuel de Casseres. Er nahm in Glückstadt eine angesehene Stellung ein und erwirkte günstige Privilegien für portugiesische Juden in jener Stadt (Vgl. Die port. Juden in Glückstadt). 59) Vgl. Roth: Les maranmes ä Rouen, Revue des Etudes juives, No. 176, p. 121. 60) Alias (?) Aron Schalom, gest. 1655 in Hamburg. 61) Alias Ishac Baruch yzidro. 62> Alias Jacob Alvares de Vargas, gest. 1622 in Hamburg. Miszelle Oberrabbiner Michael Scheuer als Kritiker seiner Zeit. In Heft 4 ihres Jahrgangs 1929 (S. 322 ff.) brachte diese Zeitschrift einen Beitrag von J. Unna über „Ober - rabbiner Michael Scheuer als Kritiker seiner Zeit". Auf Grund der erhaltenen Predigtniederschriften Michael Scheuers (1778—1809 in Mannheim) wird vom religiösen und sittlichen Zustande eines Teils der damaligen Mannheimer Judenschaft ein wenig erfreuliches Bild entworfen. Tatsächlich war es eine Zeit gewaltigster Gärung, und dem größten Teile der deutschen Bevölkerung nahe der französischen Grenze klangen die Rufe „Freiheit und Gleichheit" als vielverheißende Töne ins Ohr. Die Juden am Rheine erhofften von - der französischen Revolution Befreiung aus ihrer bürgerlichen Sonderstellung. Dazu kamen noch nach und nach „die Wirkungen, die von Mendelssohn und seinem Kreis sowie von der Berliner Aufklärung ausgingen". In einer solch bewegten Zeit ist es sehr begreiflich, wenn der religiöse Führer seine Gemeinde besonders scharf beobachtet und Fehler geißelt. Nun wäre aber, nachdem mehr als ein Jahrhundert inzwischen verflossen und der zeitliche Abstand eine objektivere Betrachtung ermöglicht, . festzustellen, ob die — wie der Redner selbst zugibt — als Einzelerscheinungen bezeichneten Mißstände wirklich Folgen der Aufklärungsperiode waren und Unnas Worte berechtigt sind: „Während aber früher die Juden infolge ihrer Abgeschlossenheit und infolge der tiefreligiösen Gesinnung, die alle beherrschte, eine rühmliche Ausnahme bildeten, begann jetzt dieser Geist auch bei ihnen vor allem in die vornehmen Kreise .einzudringen", oder ob ähnliche Verstöße nicht schon früher zu beobachten waren. Eine Abgeschlossenheit wie etwa in Prag, Frankfurt und anderen Städten bestand ursprünglich für die Mannheimer Juden nicht. Ein Frankfurter Patrizier, der 1731 die kurpfälzische Residenz besuchte, schreibt hierüber1): „Beider Betrachtung gegenwärtiger Stadt mußte ich mich auch über die Menge derer allhier in besonderer Freiheit lebenden Juden verwundern. Sie wohnen zwischen denen Christen und haben schier die schönsten Häuser. Sie sind Bürger wie die anderen, welche offene Läden und Hantierungen treiben und denen sogar die Wache wie anderen angesagt wird. Daher auch dieses ohnedem kühne Volk sich ungemein breit machet und mehr als Christen auf den Straßen zu sehen ist." Auch der „Denkwürdige und nützliche Rheinische Antiquarius"2) weiß von Mannheim als Besonderheit zu berichten, wie denn überhaupt sehr viele Juden in dieser Stadt unter den Christen wohnen." Erst 1766 wurde auf wiederholtes Drängen des Stadtrats von der Regierung angeordnet, daß sich alle Juden innerhalb dreier Jahre in einem besonderen Stadtviertel ansiedeln müßten. Der Versuch, ein Ghetto zwangsweise zu erreichen, wurde aber schon nach wenigen Jahren aufgegeben. So kam es, daß in Alt-Mannheim die Kluft zwischen Christen und Juden weniger!) Siehe Arnim, Max: Joh. Friedr. v. Uffenbachs Reise durch die Pfalz 1731. Mannh. Geschichtsblätter XXIX, Sp. 135. 2) Frankfurt a. M. 1744, S. 466 f. 72

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