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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 (Januar 1931) · p. Seite 308

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 4 (Januar 1931)
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 308 (sequence 2)
Language
German
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Marcuse als charakteristisches Motto seinem Werke vorangestellt. So ist denn die Biographie ein Bruchstück der eigenen Konfession ihres Autors geworden. Sie liest sich stellenweise wie ein aus intellektueller Leidenschaft geborenes Plädoyer für die Wesensart ihres Helden. Dem entspricht ihr Stil mit seiner essayistisch-geistreichen und nervös feinfühligen Ausdrucksgebärde. Die Fachhistoriker haben bekanntlich in einer heftigen polemischen Aktion, die hauptsächlich durch den literarischen Erfolg Emil Ludwigs hervorgerufen wurde, jene subjektiv-artistische Methode der Biographie verworfen. Jedoch die Beigabe eines gelehrten Apparates entscheidet nicht allein über den wissenschaftlichen Gehalt eines Werkes, zumal wenn sein Autor — was bei Marcuse zutrifft — über eine vertrauenerweckende wissenschaftliche Fundamentierung verfügt. Die Schiefheit in der Beurteilung Börnes rührte zumeist daher, daß er bisher in die Kategorien der Literaturgeschichte wehrlos eingezwängt wurde. Es ist Marcuses besonderes Verdienst, daß er seine Gestalt von der Politik her, die Börnes eigentliches Lebenselement war, erfaßt und aufbaut. Marcuse biegt damit in denselben Weg der biographischen Schilderung ein, den bereits Hermann Wendel für Börnes großen Antipoden Heine als Ausgangspunkt gewählt hat. Mit liebevollem Spürsinn deckt er seine Ursprünge im Frankfurter Juden-Ghetto auf. Er beschreibt seinen Aufstieg zum Publizisten, zum „Zeitschriftsteller" von eu- Büchereingang Zeenah Ureenah, Frauenbibel, 1. Buch Moses, bearbeitet von Bertha Pappenheim. Frankfurt a. M. 1930. J. Kauffmann Verlag. Julius Höxter, Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur, 1. Teil. Frankfurt a. M. 1930. J. Kaufmann Verlag. I. Münz, Jüdisches Leben im Mittelalter. Leipzig 1930. W. Kaufmann. S. Guggenheim, Wolf Breidenbach. Sonderdruck aus „Blätter des Offenbacher Geschichtsvereins", Oktober 1930. Franz Kohstall, Aus der Chronik der Spandauer Jüdischen Gemeinde. Berlin-Spandau o. J. Stückrath & Co. 308 ropäischem Format. Er sucht in dem Revolutionär den Patrioten und in dem Patrioten den Revolutionär. Einen Höhepunkt der Darstellung bildet die Analyse von Börnes polemischem Naturell, das aus dem Wesen des Ressentiments hergeleitet wird. In den Kapiteln, die Börnes Kämpfe gegen Goethe und gegen Heine behandeln, fehlt es weder an blendenden Apercus noch an glänzenden Antithesen, ohne daß jedoch das Problem in seiner ganzen Tiefe ausgeschöpft würde. Völlig abwegig ist es, wenn Marcuse Heines unerreichtes Werk über Börne als „läppische Streitschrift" und als „ekelhaft-rachsüchtiges Pamphlet" abtun will. M. widerlegt sich hierin selbst, indem er von Heines Terminologie durchaus abhängig ist; Heines These vom Hellenen- und Nazarenertum hat er lediglich ausgebaut. Die jüdische Linie wird bis zu Harden und — Siegfried Jacobsohn geführt, womit dem letzteren zuviel Ehre erwiesen wird. Infolge ihrer subjektiven Anlage greift die Biographie nur selten über den Umkreis eines psychologischen Porträts hinaus. So vermißt man z. B. eine Auseinandersetzung mit Treitschkes bedeutungsschwerem, weil gegnerischem Urteil über Börne. Wie einst Gutzkow in seiner Börne-Biographie sieht Marcuse in Börne einen heroischen Charakter. Sein Schlußwort lautet: „Er war ein guter Mann". Dasselbe läßt sich von seiner Arbeit sagen. Sie ist ein gutes Buch. Fritz Friedländer. Denkwürdigkeiten des Aron Isak (1730 bis 1817), herausgegeben von Z. Holm. Berlin 1930. Welt-Verlag. Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei. 1. Jahrg., Hefte 1 und 2. Michael Traub, Jüdische Wanderbewegungen vor und nach dem Weltkriege. Berlin 1930. Jüdischer Verlag. Jakob Lestschinsky, Die Umsiedlung und Umschichtung des jüdischen Volkes im Laufe des letzten Jahrhunderts. Sonderdruck aus „Weltwirtschaftliches Archiv", Okt. 1930. Kurt Zielenziger, Juden in der deutschen Wirtschaft. Berlin 1930. Welt- Verlag.

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