Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 4 (Januar 1931)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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In dem vor kurzem abgeschlossenen vierten Jahrgang der „Posener Heimatblätter", der in Berlin erscheinenden Monatszeitschrift des Verbandes Posener Heimatvereine, konnte wiederum eine stattliche Reihe lehrreicher Beiträge und Nachrichten, die für die Heimat- und Familiengeschichte ehemaliger Posener Juden recht wertvoll sind, veröffentlicht werden. Vor kurzem erschien, herausgegeben von der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, das erste Werk ihrer Sektion für Statistik und Wirtschaftskunde unter dem Titel „Die Bevölkerungs- und Berufsverhältnisse der Juden im Deutschen Reich. I. Freistaat Preußen". Verfasser dieses Werkes ist Professor Dr. Heinrich Silbergleit, früherer Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin. Wir werden auf diese bedeutsame Veröffentlichung, soweit sie historisch belangreich ist, noch zurückkommen. Auf Einladung der „Gesellschaft für nützliche Forschungen'* in Trier hielt kürzlich Oberrabbiner Dr. Adolf Altmann einen aufschlußreichen Vortrag über das früheste Vorkommen der Juden in Deutschland. Dr. Altmann konnte namentlich auf Grund einer ausgegrabenen, aus dem 3. oder 4. Jahrhundert n. Chr. stammenden römischen Tonlampe mit dem reliefartig eingebrannten, auf drei Füßen stehenden siebenarmigen Leuchter den Beweis erbringen, daß nicht in Köln, sondern höchstwahrscheinlich in Trier das älteste jüdischfe Gemeinwesen auf deutschem Boden angenommen werden müsse. Bücherschau Moses Mendelssohn, Gesammelte Schritten, Jubiläumsausgabe, 7. Band, Berlin 1930, bearbeitet von Simon Rawidowicz, CLXXXIII S. Einleitung und 516 Seiten Text nebst einem Facsimile. In Fortsetzung der hier bereits angezeigten Jubiläumsausgabe der Gesammelten Schriften Moses Mendelssohns liegt als 7. Band der Gesamtausgabe der Band I der Schriften zum Judentum vor. Er enthält die zum Lavaterstreit gehörenden Arbeiten sowie die Ritualgesetze der Juden und den Aufsatz zur Reform des Judeneids. 306 In der Jahresversammlung der Gesellschaft für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei sprach am 19. Dezember 1930 Dr. T. Jakobowicz über „Judenabzeichen in Böhmen". In einem in der „Potsdamer Tageszeitung" vom 21. August 1930 erschienenen „Kritischen Ruckblick auf die Geschichte von Beelitz" erklärt Reichsarchivrat Dr. Schäfer eine angeblich von Juden um die Mitte des 13. Jahrhunderts begangene Hostienschändung, die von der Kirche als Wahrheit verbreitet worden sein soll, als irreführend. (Die Beelitzer Marienkirche war seit 1247 wegen einer geweihten Hostie zu einer berühmten Wallfahrtsstätte geworden.) Seit September 1930 erscheint die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei", herausgegeben von Hugo Gold (Brünn) im Jüdischen Buch- und Kunstverlag Brünn. Diese neue Quartalsschrift, in deren Arbeitsbereich Böhmen, Mähren, die Slowakei, Schlesien und Karpathorussland einbezogen werden, dient vornehmlich der Erforschung der Lokalgeschichte, der jüdischen Familienforschung und Volkskunde und der Sammlung bisher unbekannten und unveröffentlichten Quellenmaterials. Seit Anfang des Jahres 1931 erscheint in Berlin eine Revue für Politik, Literatur, Wissenschaft und Kunst unter dem Titel „Freie Jüdische Monatsschau". Das erste Heft bringt u. a. Beiträge von Professor Dr. Erich v. Kahler, Lion Feuchtwanger, Stephan Zweig. Rawidowicz, der als Bearbeiter zeichnet, schickt vier Einleitungen voraus, die in die Materie einführen und viel Neues bringen. Er gibt zuerst ein Bild des Verhältnisses zwischen den drei Hauptbeteiligten am Streite, Lavater, Bonnet und Mendelssohn, das auf Grund von bislang noch unbekannten oder nicht benutzten Briefen wesentlich andere Züge trägt als in den bisherigen Darstellungen. Auch die wichtigsten Stimmen zum Streit, die sich damals hören ließen, finden eine wertvolle Zusammenstellung. Die Einleitung zu den Ritualgesetzen ist