Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 4 (Januar 1931)
- Article
- Die Freiheitskriege von 1813/15 und die kurhessischen Juden [Nachricht]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nacbiicbten jede einseitige, aus gar zu großer Nähe betrachtende Anschauung vermeiden ließ. In den meisten seiner Arbeiten über die Geschichte der Stadt und Provinz Posen, über westpreußische und polnische Geschichte sind die jüdischen Verhältnisse eingehend dargestellt, aber auf den allgemein-geschichtlichen Hintergründen, die sie genetisch erklären, und nicht in isolierter Betrachtung, sondern als Glied der allgemein-geschichtlichen Entwicklung von Land und Volk. Zuletzt und fast am eindringlichsten hat sich die geistige Weite, die hierin zum Ausdruck kommt, in Warschauers Memoirenwerk (Deutsche Kulturarbeit der Ostmark. Erinnerungen aus vier Jahrzehnten. Berlin 1926) gezeigt. Daß Warschauer die vielfältigen Lebensverhältnisse, in die ihn das Schicksal gestellt hatte, voll repräsentierte, das war bezeichnend für sein Lebensgefühl, solange er unter uns weilte, und das fügt sein Leben jetzt, da er abgeschieden ist, in die Reihe der erinnerungswerten Begebenheiten ein. Straus. Ueber „Die Freiheitskriege von 1813/15 und die kurhessischen Juden", die dem Rufe des bedrängten} Vaterlandes in großer Zahl gefolgt sind, berichtet Max Schwab in den vorjährigen Heften 4 und 5 des „Hanauischen Magazins" (Monatsblätter für Heimatskunde, herausgegeben vom Hanauer Geschichtsverein). Hier werden für die Geschichte der Juden Hanaus, Frankfurts, Kassels sowie eines Teiles der ländlichen Bezirke der heutigen Provinz Hessen-Nassau wertvolle Einzelheiten zutage gefördert. Die „Ruhr- und Möhne-Zeitung", das amtliche Organ der Stadt Neheim (bei Arnsberg, Westf.), veröffentlichte Mitte August 1930 eine interessante heimatgeschichtliche Artikelserie über die Bedeutung des späteren Neheimer Ehrenbürgers Noa Wolff (geb. 1809 zu Berleburg) für die Begründung und Förderung der Neheimer Metalfindustrie in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Im November 1930 wurde in München der „Verein für jüdische Museen in Bayern E.V." gegründet, der die Sammlung und Pflege jüdischer Altertümer, jüdischer Kunstwerke und dergl. bezweckt, soweit sie die Geschichte namentlich der bayerischen Juden betreffen. In einem in den Blättern des Offenbacher Geschichts-Vereins „Alt-Offenbach" (Oktober 1930, Seite 69 ff.) veröffentlichten Aufsatz „Wolf Breidenbach. Eine Gestalt aus Alt-Offenbach", gibt Rechtsanwalt und Notar Dr. S. Guggenheim, Offenbach, einen wertvollen Beitrag zur Geschichte des deutschen Judenleibzolls. Nach der Abschaffung dieser die Juden entehrenden Belastung in Frankreich, Oesterreich, Bayern und Preußen hat Wolf Breidenbach (1751—1829), der Hoffaktor des toleranten Fürsten zu Isenburg, die Aufhebung des Leibzolls in den meisten Staaten Mittel- und Westdeutschlands, auch in der freien Reichsstadt Frankfurt mit Erfolg betrieben. In dem Literaturverzeichnis verweist der Verfasser u. a. auf den in der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden" 1891 erschienenen Aufsatz von Silberstein „Wolf Breidenbach und die Aufhebung des Leibzolls in Deutschland". L. Das vorjährige „Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judenrums" veröffentlicht u. a. (S. 14 ff.) eine Abhandlung von Selma Stern „Die Judenpolitik Friedrich Wilhelms I. von Preußen"; der Aufsatz, der vor allem die wirtschaftliche Lage der Juden in jener Zeit (1713—1740) und ihre allmähliche Assimilation an die christliche Umwelt kennzeichnet, unterrichtet über den Inhalt des fast abgeschlossenen zweiten Bandes der Publikation Selma Sterns über den „Preußischen Staat und die Juden". L. An der bis 1889 deutschen, seit 1919 estnischen Universität Dorpat ist ein Lehrstuhl für jüdische Wissenschaft, u. a. auch für jüdische Geschichte, Philosophie und Literatur errichtet worden. 305