Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 4 (Januar 1931)
- Article
- Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 2)
- Language
- German
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Alexander Pinthus. Studien über die bauliche Entwicklung der Judensassen in den deutschen Städten die Geschichte vom Auszuge aus Aegypten verlesen wird, manchen kulturgeschichtlichen Aufschluß zu geben, während die zeitgenössischen Spottschriften sicher ein ungeschminktes Abbild darstellen. Aus den urkundlichen, literarischen und bildlichen Darstellungen jüdischer Wohnhäuser der Vergangenheit habe ich in den nachstehenden „Notizen" in zeitlicher Folge einige Proben vereinigt, die sich erstrecken: a) auf die Beschreibungen der Häuser in ihrer äußeren Gestalt, b) auf die innere Ausstattung (wo eine größere Zahl von Beschreibungen vorliegt, wie aus Köln und Wien, ist je ein kleines, mittleres und großes hier wiedergegeben). Endlich sind c) Bauvorschriften, die den Bau der Häuser jüdischer Eigentümer auf Grund behördlicher Maßnahmen oder vertragsmäßig regelten, zusammengestellt: Notizen über jüdische Wohnhäuser, a) Anlage und Aufbau. 1. ) 907, Prag: Sage von der Gründung der Prager Judenstadt in diesem Jahre durch Erbauung von 30 zumeist hölzernen Häusern, da zu größeren Bauten Meister von fernher berufen wurden (Jerabeck, „Der alte Prager Judenfriedhof", S. 16). 2. ) Mainz: Haus zum Aigel. Vermutung, daß die mit Skulpturen geschmückten Reste eines Fensters — die bei Neubauten teils aus älterem Mauerwerk, teils aus dem Boden entnommen wurden —, einem Hause frühromanischen Stils entstammen, das damals einer jüdischen Kaufmannsfamilie, vielleicht der aus Italien eingewanderten Familie Kalonymos gehört haben könnte. (S. Salfeld, „Die Mainzer Judenerben", Mainzer Zeitschrift XII, 1917, S. 10/11). 3. ) 11. Jahrhundert, Köln: Aus Rudolf Schultze und Carl Steuernagel „Colonia Agrippinensis". Bonner Jahrbücher, 98, S. 138. „Die Baureste auf dem Rathausplatze": Als ein interessanter Rest jener (jüdischen) Bautätigkeit ist im Plasmanschen Hause ein jetzt als Keller dienender, früher zweifellos oberirdisch belegener Raum übrig geblieben, welcher mit vier, auf einer Mittelsäule ruhenden Kreuzgewölben überspannt ist, . . . Die rippenlosen, scharfgratigen, nach römischem Muster ohne Stich und Busen hergestellten Kreuzgewölbe, das altertümliche Würfelkapitell und die steilgezeichnete attische Basis mit sporenartigen Ansätzen von Eckblättern deuten auf eine Erbauung in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts hin. Höchst merkwürdig ist die Beobachtung, wie verschiedene Arten von Steinmaterial zum Bau der einen Säule Verwendung gefunden haben, . . . Man ersieht also, daß die Wiederverwendung römischer Trümmer bei den Bauten jener Zeit eine Rolle spielte. . . . Auf dem Rathausplatze selbst, besonders im südlichen Teile, wurde eine ganze Reihe jener . . . Mauern verzeichnet, die . . . der Zeit der jüdischen Bautätigkeit zugerechnet werden müssen. 4. ) Zweite Hälfte des 13. Jahrh., Mainz (?): Beschreibung des R. Meir aus Rothenburg von seinem Hause: „. . . in meinem Hause habe ich nahe an 24 Mesusas angebracht: am Lehrhause, an dem Winterhause, am Eingange des Hauses, am Torweg, der nach der Straße sich öffnet, an der Türe, die nach dem Hofe führt, am 3 285