Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 3 (Oktober 1930)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 249 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Goethepreis der Stadt Frankfurt a. M., der größte wissenschaftliche und literarische Preis Deutschlands, wurde in diesem Jahre dem berühmten Wiener Psychoanalytiker Professor Dr. Sigmund Freud verliehen. Bei der Freilegung eines zur früheren Befestigung der Stadt Worms gehörigen unterirdischen Ganges wurden gut erhaltene alte jüdische Grab- Bücherschau Schriften des jiddischen wissenschaftlichen Instituts, Historische Sektion. Historische Schriften Band I, Unter der Redaktion von E. Tscherikower (Berlin), 1929, Verlag „Kultur-Liga". Warschau 828, XLVIII Sp. 4°. Die vorliegende Publikation, die aeben die früheren, hauptsächlich philologischen und folkloristischen Veröffentlichungen sowie den 1928 erschienenen ersten Band der „Schriften für Wirtschaft und Statistik" tritt, enthält Abhandlungen, Aktenstücke, Miszellen und eine kurze Bibliographie, über die an dieser Stelle, soweit sie sich, auf die Geschichte der Juden in Deutschland beziehen, berichtet werden kann. Es sind durchweg Arbeiten bewährter Fachleute; man darf ohne Uebertreibung sagen, daß in den letzten Jahren kein historisches Werk mit so viel neuem urkundlichen und für die jüdische Geschichtsforschung bedeutungsvollem Material erschienen ist. — N. M. Gelber schreibt über „Die Erinnerungen von Moses Porges über den Frankistenhof in Offenbach" (Sp. "253—296). Der Autor dieses in deutscher Sprache geschriebenen Dokuments, Moses Porges, entstammte einer Prager Familie. Der Vater Gabriel Porges, war ein Gelehrter, der besonders mit der jüdischen Mystik, aber auch mit den Profanwissenschaften vertraut war. Er gehörte zu den Prager Kreisen, die sich für die übrigens auch in Böhmen und Mähren verbreitete Frankistensekte lebhaft interessierten und sich ihr anschlössen. Am Frankistenhof in Offenbach genoß er großes Ansehen. Gabriel Porges steine (12., 13., 16. Jahrhundert) aufgefunden, unter ihnen der des Rabbi Eliaser aus dem Jahre 1305. Berichtigung. In dem im vorigen Heft dieser Zeitschrift erschienenen Aufsatz „Die Niederlassung der Juden in Berlin im Jahre 1671" sind auf Seite 133 die Unterschriften unter dem dem Kurfürsten eingereichten Entwurf zu einem Edikt über die Aufnahme der Juden durch einen sinnentstellenden Druckfehler in Klammern gesetzt worden. Richtig muß es heißen: ..... unterthenigste trewgehorsamste Diener O. F. v. Schwerin. Raban v. Canstein". wollte auch seine Söhne Moses und Leopold in diese Umgebung einführen. Die „Erinnerungen" enthalten zugleich mit einer Beschreibung der Reise nach Offenbach eine Schilderung des Lebens der Juden in Süddeutschland. Im Vordergrund steht die lebendige Darstellung des Lebens am Frankistenhof in Offenbach. Das wüste Treiben, das dort herrschte, erfüllte die Brüder Porges mit Abscheu, so daß sie gleich vielen anderen Pilgern, tief enttäuscht über diesen Betrug, heimkehrten. Sie gelangten später in der Prager Gemeinde zu hohen Würden. In der Einleitung gibt Gelber auf Grund des vorhandenen Materials einen trefflichen Ueberblick über die Frankisten in Böhmen und Mähren, besonders in. Prag, und veröffentlicht zahlreiche Details über die Familie des Verfassers der „Erinnerungen". Am Schlüsse sind drei bereits von Back in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums (1877, SS. 189—192, 232—240, 410—420), aber dort unvollständig, d. h. ohne Personennamen abgedruckte Protokolle des Fürther Beth-Din aus dem Jahre 1800, die mit den Brüdern Porges u. a. über den Frankistenhof in Offenbach aufgenommen wurden, wiedergegeben. Ch. Borodianski, der Bearbeiter des Mendelssohnschen Briefwechsels (Bd. XVI der Gesammelten Schriften Moses Mendelssohns) liefert — unter Anführung zahlreicher Proben — einen Beitrag zu Mendelssohns jiddischen Briefen, namentlich solchen, die für seine Persönlichkeit und sein Privatleben besonders charakteristisch sind (Sp. 297—346). Der deutsche Leser 249