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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-10-01 · Heft 3 (Oktober 1930) · p. Seite 237

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 3 (Oktober 1930)
Article
Zwei Klagelieder über die Opfer des Jahres 1096
Date
1930-10-01
Page
Seite 237 (sequence 1)
Language
German
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IRI
…/2259275-2259282-2259286-2260546--3097-2260657
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Zwei Klagelieder über die Opfer des Jahres 1096 Mitgeteilt von Hans Lichtenstein 1. Elieser ben Natan Das hier fofgende, nach Zunz, Literaturgeschichte der synagogalen Poesie, S. 261, Nr. 21, von Davidson, Thesaurus Nr. 4709, erwähnte alphabetische Klagelied ist handschriftlich in Ms. Bodl. 1154 (Opp. 175), Nr. 241, f. 212 a—214 b erhalten und nach einer mir vorliegenden Photographie wiedergegeben. Die Punktation der Handschrift ist weggelassen. Die in den Anmerkungen gegebenen Worterklärungen beruhen zum größten Teil auf Zunz, „Die synagogale Poesie des Mittelalters" (2. Aufl., Frankfurt a. M. 1920). — Den Verfasser nennt das Akrostichon: fj"|j 'XIS ITJPVk iök pmnn p>m *ä Das *j deutet darauf, daß sein Vater damals noch am Leben war. Zu beachten sind die zahlreichen Uebereinstimmungen im Wortschatz mit dem zweiten der von Neubauer und Stern herausgegebenen „Hebräischen Berichte über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge" (Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland, II. Band, Berlin 1892; zitiert Qu. II), die dessen Abfassung durch Elieser ben Natan aufs neue bestätigen. (Vgl. zuletzt Elbogen, Philippson-Festschrift, S. 21.) Auch der Gedankengang entspricht völlig dem des prosaischen Berichts. Im Jahre 4856 (1096) erhoben sich entgegen der Weissagung des Propheten Jeremia die Feinde und drohten, ganz Israel zu vernichten. Sie beschlossen, zum Grabe des Gekreuzigten zu ziehen. Im Bewußtsein ihrer Macht forderten sie die Juden auf, von Gott abzufallen, aber diese weigerten sich, ihr Leben so zu erkaufen. Darauf schlachteten die Kreuzfahrer „Kinder und Frauen, Jünglinge und Greise", und diese erlitten voll Vertrauen auf Gott freudig den Märtyrertod. Kinder baten ihre Eltern, sie zu töten, und diese opferten sie, wie einst Abraham seinen Sohn als Opfer hatte darbringen wollen. So füllten die Leichen, Kinder und Eltern beieinander, die Straßen der Städte. Der Dichter fragt Gott verzweifelt, warum er sein Volk verlassen habe, und fordert ihn auf, an seinen Feinden Rache zu nehmen. Die Thorarollen sind zertreten, verbrannt, zerrissen, die Toten nackt ausgeplündert, unbestattet, ihr Besitz geraubt. Aber sie sind glücklich zu preisen, denn sie leben fort bei den Gerechten der zukünftigen Welt. An Gott ist es, Rache für ihre Ermordung zu nehmen, den Rest Israels aber zu erhalten. 5 237

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