Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ausstellung jüdischer Kultgeräte und -einrichtungen für Synagoge und Haus [Nachricht]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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genommen. Der Vorwurf, den Kantorowicz der heutigen Geschichtsschreibung macht, daß sie die Kunst der Darstellung gegenüber der Forschung vernachlässige, besteht meines Erachtens durchaus zu unrecht. Der Weg, den er in seinem „Friedrich II." gegangen ist, führt unter allen Umständen zur völligen Auflösung wirklicher Geschichtsforschung. In diesem Sinne hat auch Brackmann, einer der besten Kenner mittelalterlicher Geschichte, in verschiedenen Aufsätzen in der Historischen Zeitschrift Stellung genommen. Von den anderen Themen dürfte für unser Interessengebiet noch der Vortrag von Professor Dr. Wilhelm Weber: „Die Vereinheitlichung der religiösen Welt" von Bedeutung sein. Bei dem Bestreben, das heute im Historikerverbande waltet, die Zeitfragen in das Licht wissenschaftlicher Betrachtung zu rücken, sollte man für spätere Historikertage anregen, von einem namhaften Gelehrten auch einmal eine Frage deutsch-jüdischer Geschichtsforschung behandeln zu lassen. Das Interesse für diese Dinge ist, wie im Gespräch mit verschiedenen Historikern festgestellt wurde, außerordentlich groß, aber sehr viele finden selbst nicht die Muße, sich mit diesen Fragen zu befassen, und wären für Anregungen dankbar. Willy Cohn. Ausstellung jüdischer Kultgeräte und -einrichtungen für Synagoge und Haus. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden veranstaltete zusammen mit der Israelitischen Kultusgemeinde München eine Ausstellung jüdischer Kultgeräte, die aus Gemeinde- und Privatbesitz von dem Kunsthistoriker Theo Harburger zusammengestellt ist. Sie umfaßt Thorahschränke, -vorhänge, -mäntel und -schmuck sowie handgeschriebene und mit Bildern verzierte Gebetbücher, Megilloth Esther und allerlei Gerät, wie Sederschüsselm usw., auch Gegenstände, deren Gebrauch nicht so häufig ist, wie Trauringe und -gürtel, Amulette u. dgl. Die ausgestellten Gegenstände entstammen der Zeit von etwa 1680 bis 1850. Die zum Teil hervorragenden Vorhänge und Mäntelchen sind Werke jüdischer Manufakturen, die in Fürth und Höchstädt a. d. D. zu Anfang des 18. Jahrhunderts blühten. Von der Kunstfertigkeit der Juden gab einen besonders markanten Begriff das Werk des Elieser Süßmann CaZ, des Malers der Bechhofener und anderer Synagogen, das zur Ausstellung gelangte. Es stammt aus der Synagoge von Colmberg (Mittelfranken) und war erst vor kurzem unter ihrer alten Tünche aufgefunden worden. München. Am 29. Juni 1930 fand eine Sitzung der Historischen Kommission des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in München statt. Es wurde beschlossen, die Sicherung und systematische Nachforschung der in vielen Gemeinden des Landes vorhandenen Archivalien in die Wege .zu leiten und in wissenschaftlicher Weise durchzuführen. Als nächste Publikation der Historischen Kommission wird ein Werk des Herrn Dr. Rafael St raus „Der Niedergang der Judengemeinde Regensburg im ausgehenden Mittelalter" erscheinen. T. H. In den „Studies in Jewish Bibliography and Related Subjects" (In memory of Abraham Solomon Freidus, late chief of the jewish division. New York. Public library. 1929) sind einige Abhandlungen enthalten, die für die deutschen Juden von besonderem Interesse sind. Freimann schreibt über „Das Einteilungssystem der Judaica in der Stadtbibliothek Frankfurt a. M." (S. 55 ff.), G. A. Kohut über „Steinschneideriana" (S. 65 ff.), A. Z. Schwarz berichtet über „Nikolsburger hebräische Handschriften" (S. 170 ff.), B. Cohen über „Nehemia Brüll" (S. 219 ff.) und J. Davidsohn veröffentlicht „Briefe an S. H. Hallerstamm" (S. 1 ff.). Am 14. Juli verschied in Berlin Professor Dr. Ludwig Stein, früher ordentlicher Professor für Philosophie und Soziologie an der Universität Bern. Die Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden, herausgegeben vom Büro für Statistik der Juden, Berlin (Dr. Bruno Blau, Richard Cassel, Dr. Jacob Segall), erscheint nach mehrjähriger Unterbrechung seit Juli 1930 wieder allmonatlich. 169