Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 2
- Article
- Mendelssohn und Mecklenburg
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
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in die Augen fallen, wie falsch Hr. Tychsen übersetzt, wie gar unrichtig er exponirt hat Ich bedaure, daß er von dieser Seite seinen Gegnern Blöße gegeben; denn wie gesagt, in der Hauptsache mag er gar wohl mehr Recht haben als sie. Wenigstens ist er der Erste in Deutschland, welcher wider die Mißbräuche laut gesprochen hat. Ich wünschte, daß Hr. Tychsen einen gelehrten Juden zur Hand hätte, der ihm die Stellen des Talmuds welche er anzuführen Willens ist, vorher erklärte. Da er Jüdisch-Deutsch versteht, so wird er gar leicht einen finden, der sich ihm verständlich machen kann. Denn alle seine Fehler sind von der Art, daß jeder jüdische Schulmeister ihn zurechte weisen kann. Die Mantuaer Bibelausgabe, deren Hr. Kennicott erwähnt, und die von Herrn Prof. Tychsen in der Rettung seines Tentaminis1) umständlich angezeigt wird, ist allhier bei einem jüdischen Buchhändler um ein geringes Geld zu haben; ich glaube, daß sie nicht mehr als einen Ducaten kostet. Sie ist aber in der That merkwürdig." 7. Der Brief der Altonaer Gemeinde vom 12. Dezember 1769 als Antwort auf den fehlenden Brief Mendelssohns vom 3. Dezember 1769 bezieht sich keineswegs, wie Borodianski vermutet, auf die harmlose Angelegenheit mit dem Sabbathianer Theomim vom Jahre 1767, die gar keinen Anlaß zu einem Briefwechsel mit Mendelssohn gegeben haben kann, und wobei Tychsen gar kein Verschulden trifft. Hier kommt die unangenehme Kalenderbegebenheit vom Jahre 1769 in Frage. Tychsen hat in dem Altonaer jüdischen Kalender für 1769 als einziger „hämische" Bezeichnungen christlicher Festtage und somit Lästerungen der christlichen Religion entdeckt und im VI. Teil seiner Nebenstunden, S. 73 (1769) veröffentlicht, wobei er fälschlich behauptet, daß der; Verfasser mit Einwilligung des jüdischen Gerichts zu Altona gehandelt habe. Er fordert exemplarische *) Befreyetes Tentamen von den Einwürfen des Herrn Bruns, Dathe, Michaelis, nebst Beurtheilung Kennicots paradoxer Sätze, Rostock 1774, Anhang 1776. 166 Bestrafung. Daraufhin hat das Königl. Oberpräsidium eine Untersuchung eingeleitet. Das Verfahren wurde aber eingestellt, weil der Verfertiger inzwischen gestorben war und das jüdische Gericht gar keine Kenntnis davon gehabt hatte. Es hat auch das Verfahren seines Glaubensgenossen mißbilligt, den Kalender für 1770 verbessert und versprochen, daß in der Judengemeinschaft forthin nichts ohne Zensur des Gerichts gedruckt werden sollte. (Vgl. Göttinger Gelehrte Anzeigen 1770, 121. Stück, S. 1063, und Hamburgische Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit, St. 43 vom Jahre 1771). Die Altonaer Gemeinde hat sich in ihrer Besorgnis jedenfalls an Mendelssohn um Rat und Hilfe gewandt und ist dankbar für seinen Beistand gewesen. Zur Geschichte der Juden in Halle Das Archiv der Stadt Halle an der Saale gehört zu den kleineren Stadtarchiven in Deutschland. Seine Reorganisierung seit dem Herbst 1928 ist ein besonderes Verdienst der gegenwärtigen Stadtverwaltung. Bis dahin hatte das Stadtarchiv wiederholt schwere Verluste an wertvollen Urkundenbeständen erleiden müssen, teils infolge Mangels an historischem Verständnis in früheren Zeiten, teils — und das bis ins 19. Jahrhundert hinein — infolge leichtfertiger und gewissenloser Behandlung kostbarer Dokumente zur hallischen Stadtgeschichte. Sie sind der wissenschaftlichen Forschung — infolge Verkaufes als Einwickelpapier! — verloren. Ueber das historische Quellenmaterial, das übrig geblieben ist, gibt Dr. Erich Neuß, der jetzt als Stadtarchivdirektor diese wichtigen Zeugnisse vergangener Zeiten betreut, eine vortreffliche Uebersicht in der Schrift: „Das hallische Stadtarchiv, seine Geschichte und seine Bestände" (Halle 1930, Gebauer- Schwetschke Verlag A.-G.), welche auf Wunsch der Schriftleitung hier kurz angezeigt werden soll. Das schön ausgestattete, mit vier Lichtdrucktafeln geschmückte Werkchen gewährt dem stadtgeschichtlich Interessierten einen