Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Propyläenverlag, Berlin : Propyläen-Weltgeschichte [Nachricht]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2259275-2259276-2259281--2759-2260245- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nachrichten Im Propyläenverlag, Berlin, erscheint die neue „Propyläen-Weltgeschichte" in zehn Bänden. Der siebente Band „Die französische Revolution, Napoleon und die Restauration" liegt vor. Wir kommen auf das bedeutsame Unternehmen in einer besonderen Anzeige zurück. Am 2. und 3. November beging das Breslauer Jüdisch-theologische Seminar die Feier seines 75jährigen Bestehens. Die aus Anlaß des Jubiläums erschienene zweibändige Festschrift (Verlag M. u. H. Marcus, Breslau) enthalt u.a. sehr wertvolle Beiträge zur Geschichte der Juden in Deutschland. Das Philanthropin in Frankfurt a. M. feierte sein 125jähriges Bestehen; die gleichnamige Zeitschrift (Jhrg. I, Heft 3/4 vom 15. Nov. 1929) veröffentlichte bei dieser Gelegenheit eine Anzahl auf die Geschichte der Anstalt bezügliche Dokumente und Aufsätze. Professor Julius Goldstein wird in einem Gedenkheft der von ihm begründeten und bis zu seinem Tode geleiteten Zweimonatsschrift „Der Morgen" (Jhrg. 5, Nr. 4) geschildert. Mitarbeiter und Freunde stellen ihn in der Vielseitigkeit seines Wirkens dar. Professor Aby Warburg, der hervorragende Kunst- und Kulturhistoriker und Begründer der „Bibliothek Warburg", ist in Hamburg verstorben. Dr. Franz Rosenzweig, der bedeutende Philosoph und Nachdichter, ist in Frankfurt a. M. gestorben. Professor Robert Hoeniger und der Musikschriftsteller Dr. Leopold Hirschberg sind in Berlin verstorben. Die katholische und jüdische Bevölkerung in Hamburg. In dem letzten Heft seiner Zeitschrift „Aus Hamburgs Verwaltung und Wirtschaft" veröffentlicht das Statistische Landesamt die hauptsächlichsten Ergebnisse einer Untersuchung über Zahl, Herkunft, berufliche und soziale Gliederung der 336 jüdischen und katholischen Bevölkerung. Aus dieser Arbeit geht hervor, daß die jüdische Bevölkerung, trotzdem sich die Bevölkerung Hamburgs im Laufe der letzten 50 Jahre mehr als verdoppelt hat, seit 1871 hier nur von rund 14000 auf fast 20 000 angewachsen und ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in dieser Zeit von über vier v. H. auf weniger als zwei v. H. gesunken ist. Dagegen haben die Katholiken in 60 Jahren durch Zuwanderung, namentlich in den 80er Jahren und seit der Jahrhundertwende, sich sehr stark vermehrt. Im Jahre 1866 betrug ihre Zahl weniger als die Hälfte der damals in Hamburg ansässigen Juden und kaum zwei v. H. der Gesamtbevölkerung, 1925 aber übertraf sie die Zahl der Juden um das Dreifache, und ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung belief sich auf fast fünf v. H., denn es wurden bei der letzten Volkszählung mehr als 60 000 Katholiken in Hamburg gezählt. Wie eine Auszählung der Katholiken und Juden nach dem Wohnsitz vor dem Kriege ergeben hat, wohnten von den rund 20 000 Juden, die 1925 in Hamburg festgestellt sind, nur rund 4000 vor Ausbruch des Krieges außerhalb Hamburgs; von den 60 000 im Jahre 1925 hier wohnenden Katholiken sind aber nahezu 19 000 seit 1914 zugewandert. Abgesehen von den benachbarten Provinzen Schleswig- Holstein und Hannover stammen die zugewanderten Katholiken in der Hauptsache aus der Rheinprovinz, aus Bayern, Westfalen und Schlesien, die zugewanderten Juden aber in der Hauptsache aus Polen und den übrigen ehemals russischen Randstaaten, Rußland und Oesterreich, ferner aus Berlin, Hessen, dem Rheinland und den im Osten abgetretenen Gebietsteilen.