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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 329

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 4
Article
Zweite Ausstellung des Vereins Jüdisches Museum e.V., Breslau [Nachricht] / Cohn, Willy
Date
1930-01-01
Page
Seite 329 (sequence 1)
Language
German
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Miszellen Zweite Ausstellung des Vereins Jüdisches Museum e. V.,B*eslau Der Verein Jüdisches Museum E. V. zu Breslau (ob. S. 163—164) tritt anläßlich der Feier des 75jährigen Bestehens des Jüdisch-Theologischen Seminars zu Breslau mit einer erneuten Ausstellung an die Oeffentlichkeit. Die Schau, die im Lichthof des Breslauer Kunstgewerbemuseums außerordentlich eindrucksvoll zusammengestellt ist, umfaßt vor allem eine Reihe von Textilien, die im Kultus Verwendung fanden. Wir bemerken einen Thoravorhang aus grauem Atlas aus Rawitsch in der früheren Provinz Posen, der nur für die Beschneidungsfeier bestimmt war; ein Spiegel aus hellrotem Atlas (angefertigt 1831), an welchem in Reliefstickerei zwei Löwen, die eine Krone halten, dargestellt sind, weist ferner — und dies ist besonders eigenartig — eine zweisitzige Beschneidungsbank und das Beschneidungsmesser in Reliefstickerei auf. Die üblichen Segensprüche bei der Beschneidung sind ebenfalls angebracht. Ein Thoraüberhang aus Glogau, aus dem Jahre 1729, -zeigt ein Opferlamm in den Händen des Hohenpriesters Aaron, ferner Moses, die steinernen Tafeln haltend, den siebenarmigen Leuchter und anderes. — Ein ganz eigenartiges Stück ist ein seidener Gebetmantel, auf dessen Ecken (Kanfoth) sich Mannesfiguren mit einer Wage befinden. Abgesehen von diesen gewebten Gegenständen ist ein Exemplar der Rudimenta von Johannes R e u c h 1 i n, gedruckt zu Pforzheim 1506, aus dem Besitz des Breslauer Reformators Johann Heß stammend, besonders kostbar. Wir finden in diesem Buche, das sich mit den Elementen der hebräischen Sprache befaßt, Musik mit hebräischem Text, wobei auch die Noten von rechts nach links zu lesen sind. Schließlich sei noch ein Blatt erwähnt, das den Karlsplatz in Breslau darstellt, den Platz, der seit einigen Monaten zu Ehren des dort geborenen großen Agitators Lassalle seinen Namen führt. Früher spielte der Karlsplatz, der im Volksmunde scherzhaft „Judenbörse" genannt wurde, als Mittelpunkt der jüdischen Siedlung eine Rolle. Willy Cohn. Judenbegräbnisse und Leicbenabfübrung in Leipzig Historische Studie von ARNO KAPP Im 17. Jahrhundert gewannen jüdische Kaufleute auf die Meßgeschäfte der kursächsischen Handelsstadt Leipzig großen Einfluß, der sich gegen Ende des Jahrhunderts von Jahr zu Jahr steigerte. Selbstverständlich hatte dies zur Folge, daß auch die Zahl der Meßjuden bedeutend zunahm. Damit *) Ueber die im Folgenden genannten Persönlichkeiten, die Vorgänge bei ihrem Tode und ihre Beisetzung in Dessau vgl. M. Freudenthal in Monatsschrift f. Gesch. u. Wiss. d. Judentums 1898 S. 140. Ueber Jakob Beh- (Quelle: Leipziger Ratsarchiv, Ttl. LI; Rd. 15 und 87) *) war auch ein eventueller Todesfall, der einen Juden während der Dauer seiner Meßgeschäfte ereilen konnte, in den Bereich größerer Möglichkeit gerückt. Da aber in Kursachsen kern Jude beerdigt werden durfte, baten die sämtlichen Aeltesten der jüdischen Gemeinde zu rends s. außerdem ausführlich Kaufmann-Freudenthal, Familie Gomperz, S. 242 ff. — Ueber Joachim Freund s. Hock, die Familie Prags S. 286; über Elkan Herz s. Gedenkbuch für Moses Mendelssohn, Berlin 1929, S. 37. 329

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