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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 181

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 3
Article
Dem Andenken Moses Mendelssohns
Date
1929-01-01
Page
Seite 181 (sequence 5)
Language
German
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Reden bei der Mendelssohn-Feier in Dessau zwischen den Juden und der übrigen Bevölkerung außerhalb der geschäftlichen Berührungspunkte kaum irgendwelche gesellschaftlichen Beziehungen; ein jeder Teil lebte, mehr oder weniger engstirnig, für sich, wußte und wollte es auch gar nicht anders, und den schärfsten Ausdruck fand diese schroffe gesellschaftliche Scheidung in der Verschiedenheit der Mundarten, die man hüben und drüben redete: die Juden ihr „Jiddisch" und die Anderen ihr „Anhaltisch". In dieser Umgebung ist unser Moses Mendelssohn am 6. September 1729 als Sohn des armen Thoraschreibers Mendel im Hinterstübchen einer engen Mietwohnung auf der heutigen Askanischen Straße geboren. Der Vater, der zu den „Gelahrten" der jüdischen Gemeinde rechnete, hat dem schwächlichen, frühreifem Kinde schon im allerersten Lebensalter Unterricht im mechanischen Lesen der hebräischen Bibel erteilt; dann hat der kleine Moses die jüdische Gemeindeschule besucht und ist von dem tüchtigen Rabbiner David Fränckel tiefer in Bibel und Talmud eingeführt, hat sogar schon damals den Weg zur Philosophie des Maimonides gefunden. Als Fränckel 1742 eine Berufung nach Berlin erhielt, folgte ihm der damals 13 jährige Moses bald nach und hungerte sich dort als Talmud jünger jämmerlich durch. Doch bald genügte seinem Feuergeiste der Unterricht des Rabbi Fränckel nicht mehr. Er lernte — heimlich, weil die Strenggläubigen darin ein Greuel sahen — hochdeutsch lesen und schreiben und verschaffte sich deutsche Bücher. Dadurch kam er zum ersten Male mit der deutschen Aufklärungsphilosophie in Berührung, deren Gedanken ihn mächtig fortrissen. Menschenfreundliche Glaubensgenossen unterwiesen ihn in den Elementen der Mathematik, im Lateinischen sowie in der französischen und englischen Sprache; darauf baute er dann autodidaktisch weiter. Trotz seines schwächlichen Körpers, unter härtesten Entbehrungen erzwingt er sich zu allen Zweigen des Wissens der Zeit Zugang. Endlich, nach sieben harten Leidensjahren, hat er das Glück, eine Stellung als Hauslehrer bei dem reichen Seidenfabrikanten Isaak Bernhard zu erhalten, und, als diese Tätigkeit endet, tritt er als Buchhalter in das Bernhard'sche Geschäft ein, wird später Leiter und endlich Teilhaber der Firma. Seine Tätigkeit in Kontor und Fabrik läßt ihm genügend Zeit für sein Bildungsstreben. Er liest nun die Werke der Philosophen Locke, Pope, Shaftesbury, Hume, Wolff, Baumgarten usw.; vor allem vertieft er sich aber in Leibniz und Spinoza. Jetzt (wird er auch in die Kreise des literarischen Berlin eingeführt und lernt dort den Mann kennen, der sein bester Freund werden und seinem «Leben die endgültige Richtung geben sollte: Gotthold Ephraim Lessing. Ein inniger Gedankenaustausch entwickelt sich zwischen beiden. Lessing läßt 1755 Mendelssohns Erstlingsarbeit: die „Philosophischen Gespräche" ohne dessen Vorwissen drucken, und Mendelssohn erkennt nunmehr seine Berufung zum deutschen Schriftsteller. — Bald darauf folgt mit scharfer Zuspitzung gegen die völlig französisch .eingestellte Preußische Akademie der Wissenschaften, die von <den beiden Freunden gemeinsam verfaßte Schrift „Pope ein Metaphysiker". Im folgenden Jahre übersetzt Mendels- 181

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