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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 177

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 3
Article
Dem Andenken Moses Mendelssohns
Date
1929-01-01
Page
Seite 177 (sequence 1)
Language
German
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Dem Andenken Moses Mendelssohns Reden bei der Mendelssohn-Feier der Stadt Dessau am 8. Sept. 1929. Bürgermeister Hesse: Verehrte Festversammlung! Im Januar konnte die Stadt Braunschweig den Tag festlich begehen, an dem 200 Jahre seit der Geburt ihres großen Sohnes Gotthold Ephraim Lessing verflossen waren. Die festlichen Veranstaltungen, die wir mit der heutigen Morgenfeier der Stadtverwaltung beschließen, gelten dem großen Sohne der Stadt Dessau, gelten Moses Mendelssohn, seit dessen Geburt jetzt ebenfalls 200 Jahre verflossen sind. Lessing und Mendelssohn waren nicht bloß Altersgenossen, sie waren auch Weggenossen, waren Gesinnungsgenossen. Sie waren Pfadsucher und Pfadfinder in geistiges Neuland, das der Entfaltung menschlicher Persönlichkeitswerte nicht mehr nur durch Ueberlieferung geheiligte Schranken entgegensetzte. In diesem Kampf für die geistige Emanzipation einer von Vorurteilen übermäßig stark beherrschten Welt, den die beiden Männer, verschieden nach Herkunft und Temperament, Schulter an Schulter führten, verband sie Reinheit des Herzens und Adel der Gesinnung, verband sie — das darf in der Stadt, in der noch zu Lebzeiten der Beiden Basedow das Philanthropin gründete — besonders betont werden, Philanthropie, die Liebe zu den Menschen. Wenn Goethe in seinen Dramen häufig verschiedene, oft gegensätzlich gerichtete Personen gewissermaßen als Gefäß seines Geistes dienen, so dürfen wir von Lessings Nathan sagen, daß aus dieser einen Gestalt ebenso sehr der Christ Lessing wie der Jude Mendelssohn spricht, der beste Beweis für die starke innere Verbundenheit dieser beiden Persönlichkeiten. 200 Jahre sind verflossen, seit uns die beiden Männer geschenkt wurden, 150, seit Lessing den Nathan schrieb. Eine gewaltige Entwicklung hat sich vollzogen auf allen Gebieten menschlichen Lebens. Das prophetisch warnende Wort des Dichters der römischen Imperatorenzeit: „Nichts ist den Sterblichen zu schwer, selbst zum Himmel wollen wir empor in unserem Uebermut", scheint Wirklichkeit werden zu sollen, wenn wir an die ungeheuren Fortschritte der letzten und allerletzten Zeit, besonders auf technischem Gebiet, denken. Aber die Nathanpredigt aus der Zeit vor 150 Jahren stößt auch heute noch Vie damals vielfach auf taube Ohren und veri* 177

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