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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 171

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
[Rezension]
Date
1929-07-01
Page
Seite 171 (sequence 2)
Language
German
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nach 122 jährigem Bestand ihre Auflösung beschlossen werden mußte. Mit dem Uebergang an Württemberg erfolgte die Gleichstellung der dortigen Juden mit den Juden im übrigen Württemberg, wobei insbesondere der von König Friedrich 1807 proklamierte „Geist der höheren Aufklärung und einer umfassenden und zweckmäßigen Staatsverwaltung" den Juden günstig war und schließlich früh zur Gleichstellung der Juden fühjrte. Der Verfasser führt in seinem Werke dann noch eingehend aus, welch reger Geist unter den Gemeindemitgliedern in Jebenhausen bestand, wie dieselben insbesondere für Beseitigung der noch vorhandenen Beschränkungen der Juden durch bedingte Versagung des aktiven und passiven Wahlrechts zur Ständeversammlung, Beschränkungen der Freizügigkeit, den Judeneid, die Armenversorgung, Erlaubnis zur Eheschließung gekämpft haben. Sehr lesenswert ist auch das Gründungsdokument der Jebenhäuser Judengemeinde, welches am Tag der Aufnahme in den Schutz niedergeschrieben wurde und in welcher die inneren Angelegenheiten des Gemeindewesens bezüglich Umlage, Gottesdienst und Unterricht geregelt wurden. Die Vermögenslisten, welche der Verfasser auffuhrt, weisen nur kleine Vermögen auf. Vergleicht man hierzu die mitgeteilte Gewerbestatistik und dann später die Uebersicht über den Industriebetrieb, so zeigt sich, wie die Strebsamkeit der dortigen Gemeindegenossen allmählich eine Blütezeit herbeigeführt hat. Vor allem ist es die Textilindustrie, die einen bedeutenden Umfang angenommen und dann in der Tochtergemeinde Göppingen sich noch mehr ausgedehnt hat. Während in Jebenhausen um die Mitte des vorigen Jahrhunderts 11 israelitische Fabrikanten 3000 Arbeiter beschäftigen, finden wir in Göppingen in den letzten Jahrzehnten eine weit größere Zahl von Fabrikanten der Textilindustrie und besonders der Corsettfabrikation. Freilich ist auch hier die bedauerliche Wahrnehmung die, daß mit der fortschrittlichen Entwicklung der Handwerkerstand unter den Juden so gut wie ganz aufgehört hat, während sich noch 1845 beispielshalber 4 Meister und 13 Gesellen als Weber, 2 Flaschner, 6 Metzgermeister und 7 Gesellen, 5 Optiker einschließlich der Gesellen, 2 Bäcker, ein Färber und ein Schneider usw. finden. Der Sitz des Rabbinats befindet sich seit Auflösung der Gemeinde Jebenhausen in Göppingen. Dort nahm die Seelenzahl ständig zu, so daß sie sich auf 311 im Jahre 1910 und im Jahre 1905 sogar auf 327 vermehrt hat. Es würde zu weit führen, alle die interessanten Ausführungen, Statistiken, Listen, Verzeichnisse, Skizzen, besonders über die Synagogen in Jebenhausen und Göppingen, die Friedhöfe die Stammbäume, die Industriebetriebe, die Vereinstätigkeit, die Stiftungen anzuführen, die mit großer Gewissenhaftigkeit und Gründlichkeit dem Werke beigefügt sind. Dr. A. Gunzenhauser. David Ferdinand Koreff: Serapionsbruder, Magnetiseur, Geheimrat und Dichter. Der Lebensroman eines Vergessenen. Aus Urkunden zusammengestellt und eingeleitet von Friedrich von Oppeln-Bronikowski. Mit 16 Bildtafeln. Lexikon-Format. 785 Seiten. Gebrüder Paetel, Berlin- Leipzig 1928. Geheftet 13,— Mk. In Ganzl. geb. 15,— Mk. Wir stehen noch am Anfang der Erforschung der seelischen Struktur des jüdischen Menschen in der ersten Epoche der Emanzipationszeit. In welcher Weise die Seele jener Menschen, die nach der Oeffnung des Ghettos in den westeuropäischen Kulturkreis eintraten und dabei so rasch wie möglich ihr Judentum abzustreifen versuchten, grundsätzlich umgebogen wurde, wird im Ganzen erst dann erfaßt werden können, wenn eine Reihe von Biographien solcher Menschen vorliegt. Darum ist es zu begrüßen, daß Oppeln-Bronikowski in außerordentlich sorgsamer Sammlungsarbeit das Lebensbild des schlesischen Arztes David Ferdinand Koreff zu zeichnen versucht. Selbstverständlich leiteten den Verfasser bei seiner Untersuchung nicht die Gründe, die wir eben andeuteten, sondern es kam ihm vielmehr darauf an, die historische Gerechtigkeit für Koreff zu erkämpfen, den Max Lenz in seiner Geschichte der Universität Berlin, sowie Wilhelm Erman in seiner Studie: „Der tierische Magnetismus in Preußen" außerordent- 171

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