Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 2 (Juli 1929)
- Article
- Das wissenschaftliche Ergebnis der Breslauer Ausstellung: Das Judentum in der Geschichte Schlesiens
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 164 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Willy Cohn. Das wissenschaftliche Ergebnis der Breslauer Ausstellung:: „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens", Februar und März 1929. bearbeitet, für den der Verfasser dieses Berichtes die historische Einleitung schrieb. Zur Orientierung über die Verteilung der Judensiedlungen in Schlesien wurden von Dr. Erich Klibansky Karten angefertigt, die zeigen, in welcher Weise allmählich die Juden in den verschiedensten Orten sich niedergelassen haben. Das Besondere dieser Ausstellung bestand darin, daß die Ausstellungsgegenstände nicht nur jüdischer Herkunft waren, sondern daß auch alle die Dokumente herangezogen wurden, die Persönlichkeiten zu charakterisieren geeignet waren, die mit den Juden irgendwie in Berührung traten. So wird mancher Betrachter der Ausstellung darüber erstaunt gewesen sein, in ihr jenes Kreuz des Capistrano zu sehen, der im Jahre 1453 41 Juden auf dem Salzring (Blücherplatz) in Breslau verbrennen ließ. Die Büste Herzog Heinrichs IV. aus dem Hause der Piasten sollte auf den ersten bedeutenden Beschützer schlesischer Judenheit hinweisen. In ähnlicher Weise waren an den Wänden alle diejenigen Herrschergestalten im Bilde vertreten, die, sei es in fördernder, sei es in hindernder Weise in die Geschichte der schlesischen Juden eingegriffen haben. Sämtliche nur irgendwie erreichbaren Dokumente aus den Archiven und Bibliotheken waren meist im Original vertreten, so weit in ihnen wichtige Rechtsvorgänge jüdischschlesischen Lebens festgelegt waren, bezw. Juden erwähnt wurden. Hier ist manches Dokument zutage getreten, das noch wissenschaftlicher Auswertung harrt. Ein neuartiger Gedanke war auch, daß man versuchte, aus Bildern älterer Handschriften Gestalten plastisch herstellen zu lassen, die das Aussehen der Juden in Schlesien in verschiedenen Epochen zur Anschauung bringen sollten. So besitzen wir ein Oelgemälde Johann Jakob Eybelwiesers aus dem Jahre 1711, das einen jüdischen Kartenverkäufer darstellt. Für den Historiker wird dieser Teil der Ausstellung mit seiner reichen Dokumentensammlung die größte Anregung bedeutet haben. Es wäre zu wünschen, daß das deutsche Judentum in ähnlicher Weise für die anderen Gebiete des Reiches solche Sammlungen organisierte, die in bewußter Beschränkung auf einen kleinen Raum dort wissenschaftlich einwandfreies Material zusammenstellten. Vielleicht ließe sich auf diesem Wege allmählich die notwendige Vorarbeit für eine Geschichte der Juden in Deutschland leisten, die sonst vielleicht oftmals der Unterlage entbehren muß. Hätte man sich etwa bei der Breslauer Ausstellung nicht auf Schlesien beschränkt, so wäre vielleicht die Mannigfaltigkeit größer gewesen, dafür hätte aber das wissenschaftliche Ergebnis nur klein sein können. Bedauerlich ist, daß es sich nicht hat ermöglichen lassen, sämtliche Ausstellungsgegenstände im Bilde festzuhalten und sie zusammen mit einem Erläuterungsband herauszugeben. Aber auch so bleibt die Anregung, die von der Ausstellung für eine neue Art der Verbindung lokalgeschichtlicher, jüdischer und allgemeingeschichtlicher Forschung geblieben ist, bedeutsam genug. 164