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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 128

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
Zur Geschichte der Juden in Passau
Date
1929-07-01
Page
Seite 128 (sequence 10)
Language
German
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.W. M.Schmid. Zur Geschichte der Juden in Passau. Städten noch im 17. Jahrhundert nichts seltenes.22) Daß aber wirklich Juden hier wohnten, geht aus dem Hausnamen eines Eckhauses zum Marktplatz hin hervor, das 1333 und noch 1373 „Revelhaus" geheißen wird. Die Bezeichnung geht auf hebräisch Re-u-el Freund Gottes zurück und damit wohl auf einen Judennamen des XIII. Jahrhunderts. Von keiner ausschlaggebenden Bedeutung ist ein hebräischer Inschriftstein, der einst an einem Haus angebracht war.23) Ursprünglich im Keller eingemauert, wurde er später außen neben die Haustüre versetzt und gelangte 1842 in den Altertumshandel (nach Berlin?). Er soll einen Lobspruch auf den 1391 verstorbenen Rabbiner Barmoses enthalten haben, der auch in jenem, seinem Hause verschieden und begraben sei. Letzteres ist schon aus dem Grunde nicht möglich, weil wir die Besitzer der Häuser an der Judengasse im XIV. Jahrhundert aus Kauf- und Giltbriefen genau kennen; unter ihnen befanden sich Patrizier wie Heinrich Jud, Ulrich Setzer, Ortlieb Westerburger, auch (1327) das Kloster Engelszell aber — kein Jude mehr! Dieses „Ghetto" hatte also damals aufgehört. Die Ansiedlung der Juden mitten in der Altstadt, gleich neben dem Markt, aber auch nahe beim Dom erscheint sehr bedeutsam, zumal man sie sonst meist abseits unterbrachte. Wo hätte das aber in Passau geschehen können? Einmal südlich in der jetzigen Inn (Vor-) stadt; diese war aber ein bis ins XV. Jahrhundert ungeschütztes „Dorf enthalb Inn", das erst um 1250 in die Stadtverwaltung einbezogen wurde. Nördlich liegt die 11 z (vor-) stadt, ebenfalls ein Dorf „am Ilzgstadt"; in beiden Siedelungen lebten nur Handwerker und es existierten dort keine Schiffländen und Kaufmannslager. Schon um 1100 wird eine westlich der Altstadtmauer heranwachsende Vorstadt erwähnt, die 1209 als Neu markt in die Stadtbefestigung eingezogen wurde; aber auch hier ist das Judenquartier nicht angesetzt worden. Somit muß die Anlage der Judengasse, unmittelbar neben dem Marktplatz des frühesten, eigentlichen Stadtbereiches, wohl noch ins XI. Jahrhundert zurückreichen; vielleicht hat sie sogar schon vor der 977 durch Kaiser Otto II. erfolgten Zerstörung der Stadt stattgefunden. Auf jeden Fall ist aber darin ausgedrückt, daß der den Boden verleihende Grundherr (Bischof) die Bedeutung der Juden für den damaligen Passauer Handel durchaus erkannt hat. Später wollte man, wie auch anderwärts, keinen Hausbesitz der Juden mehr dulden; schon 1244 (s. oben) hat man entgegen sonstiger Passauer Rechtsgewohnheit dem Juden Isaak das verpfändete Haus nicht zugesprochen, sondern beglich seine Forderung vom Domkapitel aus. Im XIV. Jahrhundert haben also die Juden entweder nicht mehr geschlossen beisammen, sondern zerstreut in der Stadt gewohnt, wie auch in Salzburg24); oder aber, und das ist wahrscheinlicher, sie sind bereits damals in einen anderen Stadtteil versetzt worden. Die ") So gab es eine Loder- und Fischergasse und die Namen der Schuster-, Klinger-, Messer- und Lederergasse haben sich bis heute erhalten. 23) A. Erhard, Geschichte der Stadt Passau 1864. I. S. 162. 2*) A. Altmann, S. 95. 128

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