Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 2 (Juli 1929)
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Passau
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 119 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der Juden in Passau von W. M. Schmid Passau gehört zu den wenigen deutschen Städten, welche die ununterbrochene Fortsetzung der Zivilsiedlung bei einer römischen Station bilden; auch der Name ist aus deren Bezeichnung Batave entstanden. Der 739 eingesetzte Bischof der Diözese, die einstmals bis an die ungarische Grenze reichte, wurde 999 Herr der Stadt und 1217 als Landesherr auch Reichsfürst. Das Gebiet des Fürstentums lag zum Teil im heutigen Ostbayern, zum größeren im Lande nördlich der Donau (Mühlviertel). Durch Aufrücken der Lehensmänner in Dynastenstellung und durch Verleihung an die habsburgischen Herzöge schmolz das Fürstentum immer mehr zusammen und wurde schließlich Grenzland zwischen Bayern und Oesterreich, zwischen denen es bei der Säkularisation 1803 auch aufgeteilt wurde. Im Stadtbild ist der Charakter der geistlichen Fürstenstadt durch die beiden mittelalterlichen Festen Oberhaus und Niederhaus, durch die vom 12. bis 18. Jahrhundert ständig wachsende bischöfliche Residenz und durch eine Anzahl Höfe von adeligen Domherren beherrschend ausgesprochen. Die Lage der Siedelung am Zusammenfluß von Inn und Donau, zu denen sich noch von Norden her die kleinere Hz gesellt, hat schon in vorgeschichtlicher Zeit auf den Schiffahrtsverkehr und den damit verbundenen Handel hingewiesen. Sogar in den wirren Zeiten der Völkerwanderung haben die Einwohner von Batavis mit den angrenzenden germanischen Rugiern fleißig Handel getrieben und dieser blühte nach Beruhigung der Verhältnisse rasch wieder auf. In der Hauptsache ist er Fernhandel und hat drei Richtungen: von Westen (hauptsächlich von Regensburg) her bringt er Fertigwaren auf der Donau bis nach Wien und weiter; auf diesem Fluß bringt er von Osten her den österreichischen Weißwein und Getreide. Von Süden her kommen auf dem Inn als Hauptartikel das Salz, das Donau auf- und abwärts geht, daneben aber Südfrüchte und Gewürze, für deren Bezug sogar Verbindung mit Venedig bestand. Nach Norden aber zog der Handel auf einem uralten, gewinnbringenden Weg, der darum „goldener Steig" hieß, durch den wenig besiedelten Bayerwald nach Böhmen, speziell nach Prachatitz, Winterberg und Bergreichenstein. Salz und Südwaren gingen hinein, heraus kamen Getreide, Pelze, Silber u. a. m. Landesprodukte wie Wachs und Wolle wurden umgesetzt, Tücher, 119