Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Article
- Frühgeschichtliche Spuren der Juden in Deutschland
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 24 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Frühgeschichtliche Spuren der Juden in Deutschland von S. Levi-Mainz mit Nachbemerkungen der Herren: Professor Blaufuss-Nürnberg, Professor Behrens-Mainz, Professor Neeb-Mainz, Professor Oxe-Krefeld Für eine Geschichte der Juden in Deutschland finden sich Belege erst von der Zeit der fränkischen Kaiser an. Auch in diesem Zeitabschnitt herrscht noch manche Dunkelheit über die Bestimmung" geographischer Begriffe und manche Unklarheit über den historischen Stoff.1) Üeber die der deutsch - fränkischen Periode vorangehenden Jahrhunderte wissen wir bezüglich der Geschichte der Juden in Deutschland so gut wie nichts, wenn auch einige nicht eindeutige Erwähnungen von Juden zu Vermutungen Anlaß geben könnten. Die Völkerwanderungszeit hatte für eine lange Zeitspanne die ruhige Entwicklung früherer Anpflanzungen unmöglich gemacht. Zwar belegt jener Satz im Codex Theodosianus „Cunctis ordinibus generali lege concedimus, Judaeos vocare ad curiam" die Anwesenheit der Juden in Köln für das Jahr 321, wir wissen aber damit weder wann noch auf welchem Wege die Juden nach Deutschland kamen, wir wissen auch nicht, in welcher Eigenschaft sie kamen, noch wie stark die Siedlung in jener Zeit gewesen ist. Graetz2) weist die Berichte über die Ansiedlung der Juden in Worms und anderen deutschen Städten, welche in vorchristlichen Jahrhunderten erfolgt sein soll, wohl mit Recht in das Reich der Sage; er meint dann aber weiter: „Nicht viel glaubwürdiger klingt das Zeugnis, welches das Vorhandensein einer jüdischen Gemeinde in Worms im ersten christlichen Jahrhundert aus untergegangenen Leichensteinen verbürgen will"3). *) Siehe Eppenstein, Simon „Zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland, besonders in literarischer und kultureller Hinsicht" in Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 63. Jahrgang, Breslau 1919, Seite 165 ff., wo unter anderem die von Graetz (Geschichte der Juden, 4. Auflage, 5. Band, S. 20 ff. und dazu gehörige Note S. 442/443.) als feststehend hingenommene Ansiedlung der Kalonymiden in Mainz z. Zt. Karls des Großen mit starken Belegen angezweifelt und um über ein Jahrhundert später angesetzt wird. *) A. a. O. Seite 204/05. 3) Graetz wendet sich hierbei gegen den von Lewysohn in seinem Werke „Sechzig Epitaphien von Grabsteinen des israel. Friedhofes zu Worms" (Frankfurt a. M. 1855) S. 3 gebrachten Hinweis, daß im Jahre 1615 bei einer Verfolgung mehrere hundert Grabsteine zertrümmert worden seien und daß ein Stein existiert habe, der damals 1500 Jahre und darüber alt war; die Existenz eines um etwa zwei Jahrhunderte jüngeren jüdischen Grabsteines in Mainz wird in den „Likutim" zum Sefer Maharil erwähnt. 24