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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · p. Seite 4

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 1 (März 1929)
Article
Zur Forschungsmethode der jüdischen Geschichte
Date
1929-03-01
Page
Seite 4 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Zur Forschxingsmethode der jüdischen Geschichte von Raphael Straus, München Die folgenden Betrachtungen sind auf die Geschichte der Juden in Deutschland beschränkt. Die Darstellungen aus diesem Gebiet lassen sich in zwei deutlich unterschiedene Gruppen teilen: die von jüdischen Gelehrten — meist Rabbinern oder doch rabbinisch Gebildeten — verfaßten Schriften haben in der Regel nur die jüdische Geistesgeschichte zum Gegenstand1), dagegen befassen sich die von christlichen Gelehrten — Historikern und Nationalökonomen — herrührenden Arbeiten vorwiegend mit der Wirtschaftsgeschichte. Die Folge ist ein empfindlicher Mangel: es fehlt eine allseitige Geschichte der Juden in Deutschland. Auch die bekannten Werke von Grätz und Dubnow bieten keinen Ersatz, denn bei ersterem finden sich nur wenig wirtschaftsgeschichtliche Angaben, bei letzterem fast gar keine. Dieser Mangel wiegt in jüdischen Zusammenhängen noch schwerer als er etwa in der deutschen Geschichtswissenschaft früher gewogen hat. Nach dem Stand der jüdischen Geschichtsliteratur müßte man annehmen, daß die geistige Haltung und die Lebenshaltung der Juden unabhängig voneinander und unverbunden miteinander Jahrhunderte lang sozusagen in reiner Personal-Union bestanden hätten. Daß läßt sich nun aber doch nur schwer glauben. Es wird nichts anderes übrig bleiben als anzunehmen, daß die Verbundenheit bestanden hat, aber uns noch unbekannt ist. Ein Strom geistiger Kultur ergießt sich in engem, aber tiefem Bett vom Orient und aus grauer Vorzeit in schwer zu verfolgenden Kanälen bis zu den deutschen Juden des Mittelalters. Wer zu diesem Strom herankommen will, muß als Beförderungsmittel die orientalischen Sprachen, die Philosophie und Theologie benützen. Deutsch- Historiker werden dazu nicht leicht gelangen und werden darum den geistigen Habitus der mittelalterlichen Juden selten in ihren Gesichtskreis einbeziehen. Ebenso aber wird die bürgerliche, d. h. fast x) Ausnahmen wie die Arbeiten von Caro und Hoffraann sind selten. 4

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