Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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374 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. Zu S. 356. In Hans Sachs' Werken (Folioausgabe 1560, II. Bd. 3. Abth., S. 117 ff.) findet sich noch ein Schwank: „Der Jud mit der geschunden grama" (Pferd) vom 24. Mai 1559. Der Schwank wird nach Schwabach und Fürth verlegt, eine Quelle wird nicht ciürt; er beruht also vielleicht auf einem damaligen Vorkommniß. Ein Jude will einem Krämer das vor einen Weinkarren gespannte Pferd abkaufen, erhält es aber nicht, da er statt der geforderten 12 nur 10 Thaler bietet. Bald darauf stürzt das Pferd, nachdem es den Karren umgeworfen hat; der Krämer, der es für todt hält, zieht ihm die Haut ab, um doch etwas von ihm zu haben. Das Thier erhebt sich bald wieder, folgt seinem Herrn ins Wirthshaus, erhält seine Haut wieder umgehängt und wird nach Hause geleitet. Dort sieht es der Jude, ersteht' es für 11 Thaler, richtet, da er sich auf dasselbe setzt, vielen Schaden an, den er natürlich bezahlen muß und merkt zu spät, daß er von dem schlauen Bauer betregen ist. Auch aus seinem Schaden weiß er jedoch Vortheil zu ziehen, er führt das Thier als Wunder ans Jahrmärke herum; wer es sehen will, muß einen Dreier zahlen, und so wird der Jude „mit seinem geschundenen grama reich". Der Jude bleibt also nicht der Gefoppte, sondern er wendet den Nachtheil zum Vortheil und erlangt Nutzen aus dem, was zu seinem Schaden bereitet war. Zum Schlüsse erfülle ich gern die angenehme Pflicht, den Herren vr. I. Bolte in Berlin, Or. Reinhold Köhler, Oberbibliothekar in Weimar, und vr. M. Steinschneider in Berlin, die mich durch einzelne Mittheilungen gefördert, und Herrn Oberbibliothekar vr. Schirrmacher in Rostock, der mir eine seltene Schrift zugänglich gemacht, sowie den Vorständen der Universitätsbibl. in Göttingen und der königl. Bibl. in Berlin meinen Dank zu sagen. Es ist mir ein wahres Bedürfniß, einmal offen auszusprechen, in wie hohem Grade ich der letztern zu Danke verpflichtet bin; zu wieviel verschiedenartigen Arbeiten ich dieselbe in einem Zeitraum von beinahe zwei Jahrzehnten auch benutzt habe, immer aufs Neue war ich angenehm überrascht von ihrem unerschöpflichen Reichthum. —