Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- XI (1907)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9־ -י FRIEDENWALD, H., Lifo, Lotters and Addresses of Aaron Erie- . denwald M. D. By his son H. Er; M. D. Printed for private circulation. Baltimore D. 1906. , [Als Ernest Renan seine berühmten Worte ״la subjectivitS, la trait fundamental da c&r&ctöre sämitique“ niederschrieb, da hat er entweder die Juden vergessen, oder sie als Nicht-Semiten betrachtet. Es ist nämlich eine un- ' ־ bestrittene Tatsache, dass nichts so sehr die Litteratur der Juden, be- ־ . sonders die nachbiblische kennzeichnet, als das vollständige Fehlen des . persönlichen Elements in derselben. Nur äusserst selten gewährt uns der Talmud Einblicke in das tägliche Leben seiner Heroen, höchstens werden uns hie‘und da die Handlungen der Grossen ihrer persönlichen <־ Form entkleidet als *Normen“ hingestellt. Die nachtalmudische Litteratur hat trotz ihrer Fülle und Mannigfaltigkeit nur das Sachliche beinahe niemals das Persönliche zum Gegenstand. Abgesehen von den Kabbalistisch-chassidischen Kreisen, für die ״das Beten“ ihrer Führer von fundamentaler Bedeutung war, scheint bei den Juden kein besonderes Interesse am ״Persönlichen* existiert zu haben. Unsere ungenügende Kenntniss der jüdischen Geschichte ist teilweise darauf zurückzuführen, das wir beinah nichts von der Persönlichkeit der schöpferischen Kräfte in Israel wissen. Der zukünftige Historiker der Juden in Amerika wird daher dem Herausgeber des . vorliegenden Büches grossen Dank wissen für das reiche Material, das ihm geboten wird über eine der anziehendsten Persönlichkeiten der amerikanischen Judenschaft. Der Herausgeber dieser Briefe und Reden hat nicht allein eine Pietätspflicht erfüllt, sondern Fat auch der jüdischen Geschichtsforschung einen grossen Dienst erwiesen. Dieses Buch macht uns mit einem nobelen Menschen, hervorragenden Arzt und Universitätslehrer, sowie einem bedeutenden Juden bekannt. Diese harmonische Vereinigung ist die" beste Widerlegung der so häufig aufgestellten Behauptung von der Unvereinbarkeit ׳ des Americanismus mit dem gesetzgläubigen Judentum. Dr. Frieden- wald war ebenso ein wahrer Typus des amerikanischen ״Gentleman“ wie des“' vornehmen Juden, der immer seiner Pflicht als solcher voll und ganz bewusst war. Die Bemerkungen über Juden und Judentum in dieseii Briefen verraten einen feinen Geist wie eine tiefe Empfindung und gar mancher Brief, der beinah vor einem halben Jahrhundert geschrieben würde, kann heute noch mit grossem Nutzen gelesen werden. Anziehend ist besonders der frische Humor und die Selbständigkeit des Urteils, die man bei Dr. Friedenwald so häufig begegnet. Man lese z. B. sein Urteil über das Verhältnis zwischen Kunst und Religion (S. 196) nach und man wird nicht allein die tiefe Auffassung bewundern, sondern auch die Selbständigkeit, die solche Aeusserungen ermöglichte. ״ Die Betrachtungen über den Erfolg der Aufklärung unter den deutschen Jaden (S. 49; 138-r-40) zeigen den echten, Juden, wie den vernünftigen Historiker. Die Charakteristik der Reformbewegung in Amerika ist so .packend* dassich mir :picht versagen kann, meine Anzeige des Buches mit derselben zu schliessen. In einem Briefe an seinen Sohn, der in Berlin Medizin studierte, lässt sich Friedenwald in folgenden Worten . über die Reform in Amerika aus: Reform in America ״is pretty mach what the Wholesale clothrag deälers wanted it to be. The Rabbis were to mach concerned about their salaries to take any active interest in sh&ping it &?Uts Ginztoy-New-York]. GRAFE, E., Das Urchristentum und das alte Testament Rekterats-Rede. Tübingen, Mohr, 1907. 49 S. 8 °.. M. 1.