Hebraeische Bibliographie
- Journal
- Hebraeische Bibliographie
- Volume
- Band VI. 1863
- Issue
- No. 32 März-April
- Date
- 1863-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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85 11. Vergangenheit. Auto da Fe jüdischer Bücher in *Prag 1714. Von G Wolf. No. 29 S. 128 der H. B. spricht ׳Hr. Red. die Hoffnung־ aus, dass ich in der Lage sein werde, über die weiteren Schicksale der Prager Censur Auf- Schluss zu geben. Ich habe jedoch bisher bloss Eine \ erhandlung, aus dem J1714 .׳, in einem Fascikel, wohin sie nicht gehört, gefunden, die allerdings nicht ohne Interesse ist, und erlaube ich mir, dieselbe hier auszugsweise mitzutheilen. Ueber die eigentlichen Censurangelegenheiten jüdischer Bücher werde ich wohl in den mit ״C.ensur“ bezeichneten Fascikeln des Slaatsministeriums T. 28 (im Polizeiministerium, seit 1856 erst bestehend, ist nichts über diesen Gegenstand vorhanden) Etwas finden. Kaiser Leopold ertheilte dem «70/1. Christoph Beckmann, Dr. u. Professor der Universität zu Frankfurt, das Privilegium, den Talmud drucken zu dürfen. Am 13. Oct. 1710 ertheilt Kaiser Josef 1. dem Michael Gottschalk in Frankfurt — da Beckmann gestorben u. der Talmud nicht zu Ende gedruckt ward — das Privilegium, den Talmud nach der Basler Ausgabe drucken zu dürfen, ״welche vor vielen Jahren revidirt u. das darin wider die katholische Religion befindlu.he expurgavit juxta mentem sancti Concilij tridentini recognoscirt und approbirt.u Mit Ausnahme der ausdrücklich erlaubten hebr. Bücher oder derer, die im Inlande gedruckt, Privilegien erhielten, war es verboten solche zu besitzen* u. so wurden auf Befehl des Kaisers Josef, 23. Dec. 1709, die Bücher des polnischen Juden Elkan verbrannt. Im Jahre 1712 wurden in Prag bei 42 Familien Haussuchung gehalten, u. man. fand die Bücher, die wir am Schlüsse anführen. Yon denjenigen Werken, die in mehreren Exemplaren vorhanden waren, ist die Anzahl derselben angegeben. Die Inquisitions-Commission, bestehend aus den Jesuitenpatres Joannes Gail, Georgius Thomas> Franciscus Haselbauer*־־— Letzterer soll öfters Disputationen mit R. Jonathan Eibschütz gehabt haben — trägt darauf an, dass der grösste Theil dieser Bücher wegen ihres gefährlichen, lasterhaften Inhaltes u. wegen der Schmähungen gegen Christum vernichtet werde. Der kleinere Theil, dessen Inhalt noch nicht genau erörtert ist, soll vorläufig verschont bleiben. Die Leser werden aus der Beilage die Ignoranz der Censoren entnehmen. Vom Talmud heisst es: er bestehe aus 11 Theilen. Bücher, die einmal der Vernichtung preisgegeben werden, finden sich auch in dem Yerzeichniss derjenigen, die geschont werden sollen. *) Der Name mancher Bücher ist mir gänzlich unbekannt u. setzte ich ihn deshalb nach dem Original mit lateinischen Buchstaben. Im Allgemeinen ist die Schreibung so schlecht, dass ich Vieles geradezu errathen musste. *) Unwillkürlich erinnere ich mich an folgende Thatsache. Während des Belagerungszustandes hier, 1852, war bei mir im Aufträge des Militairgouvernements Haussuchung. Die reactionaire Schrift von Guizot: La Democratie en France wurde wegen des Titels ״Democratie“ confiscirt, hingegen liess man den communistischen ״catechisme sociale,“ da man ihn für einen Catechismus hielt, unbeanstandet.