Bericht des Pflegamtes des Almosenkastens der israelitischen Gemeinde über dessen Wirksamkeit im Jahre ...
- Journal
- Bericht des Pflegamtes des Almosenkastens der israelitischen Gemeinde über dessen Wirksamkeit im Jahre ...
- Volume
- 1857 (über das Jahr 1856)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Aas Unterzeichnete Pflegamt hofft, indem es wieder über ein abgelaufenes Jahr seiner Thätigkeit Bericht erstattet, für die folgenden Mittheilungen die gewohnte, rege Theilnahme zu finden. — Unser Capitalfonds ist, mit der Hülfe (Gottes und edler Menschen, in allmäligem Wachsthume begriffen. Geschenke und Legate verschiedener Art find uns wieder zugewendet worden. Wir heben die bedeutenderen hervor. Es haben Herr Adolph Reinach dahier und Herr Herrmann Reinach zu Paris, zum Gedächtniß ihres sel. Herrn Vaters Joseph Jakob Neinach von hier, die Summe von zweitausend Gulden 3% Metalliques — ebenso die verehrlichen Geschwister und Erben des sel. Herrn Samuel Stern zu dessen Gedächtniß die Summe von fünfhundert Gulden in unseren Capitalfonds gestiftet. Durch diese und andere dankenswerthe Zuflüsse hat unser unangreifbares Vermögen die Höhe von nahezu fl. 4«,000. erreicht. Wenn nun auch dieses Resultat eines zwölfjährigen Bestehens als ein erfreuliches Zeichen des in unserer Gemeinde herrschenden edlen Sinnes erscheint, so ist dasselbe doch noch sehr weit entfernt, den obwaltenden Bedürfnissen zu entsprechen. Wenn man erwägt, daß von dem Capitalstock nur die Zinse» zur Vertheilung geboten sind, so wird man nicht verkennen, wie wenig dies für eine Gemeinde bedeuten wolle, welche leider mehr Armen hat, als man gewöhnlich anzunehmen pflegt, und die bei deren Unterstützung lediglich auf die Mittel und den wohlthätigen Sinn ihrer Angehörigen hingewiesen ist. — An die stets ergiebige Quelle dieses Wohlthätigkeitsstnnes haben wir uns in der zweiten Hälftendes Jahres 1855 gewendet, um zu Gunsten einer nicht geringen Anzahl von verschämten Gemeinde-Armen freiwillige Beiträge für dringend nothwendige regelmäßige Unterstützungen zu erzielen. — Freudige Bereitwilligkeit hat unserem Hülferufe geantwortet, in deren Folge uns im vorigen Jahre für diesen frommen Zweck die Summe von fl. 2366. 37 kr. zur Verfügung gestellt war. Rechnet man aber dazu auch noch die Zinsen des Capitalfonds, und vertheilt man das Ergebniß auf 52 Wochen und eine beträchtliche Anzahl von würdigen Familien und Individuen in der Gemeinde, welche dieser Wohlthat periodischer Unterstützung sehr benöthigt sind, so wird man gewiß unser großes Bedauern mitfühlen, nur über so kleine Summen zu regelmäßiger Unterstützung verfügen zu können! Zu um so innigerem Danke sind wir den Wohlthätern und Wohlthäterinnen verpflichtet, die uns, wenn auch nicht zur ausreichenden Abhülfe, doch zur Erleichterung so vielfacher Noth die Mittel anvertraut haben, und hoffen wir zuversichtlich, daß sie selbst in ihrem guten Willen ausharren, und diejenigen Gcmeindegenosscn, an die wir demnächst uns zu wenden gedenken, sich ihnen theilnehmend und mittheilend anschließen werden. — Das Pflcgamt vertheilt, seinem heiligen Berufe gemäß, für die Armen der gesammten Gemeinde nach Kräften zu sorgen, ohne jede andere Rücksicht als die der Würdigkeit und Bedürftigkeit der Empfänger, die ihm anvertrauten Spenden; und so darf es erwarten, daß ihm auch aus der Gemeinde von allen Seiten die Spenden reichlich zuströmen werden. Während aber unsere Mittel durch die periodischen Beiträge einen erfteulichen Zuwachs erhalten haben, sind die zu sofortiger Vertheilung bestimmten Geschenke in bedauerliche Abnahme gerathen. Dieselben betrugen im Jahr 1855 fl. 5672. 57 kr. und sind im vorigen Jahre auf fl. 4033. 58 kr. herabgegangen. Möge diese betrübende Wahrnehmung Alle, die solches lesen, aneifern, in allen Wechselfällen des Lebens der Armen - Anstalt unserer Gemeinde in werkthätiger Liebe eingedenk zu sein, damit, wie bisher so in alle Zukunft, durch die Wohllhätigkeit jeder Schmer; gelindert und jede Freude erhöhet werde. — Zugleich mit diesem Berichte werden unsere verehrten Gemeindegenossen die, nach Maßgabe unserer erweiterten Thätigkeit umgestalteten und in der neuen Fassung von Hohem Senate genehmigten Statuten des israelitischen Almosenkastens erhalten haben, deren nicht früher zu ermöglichende Ausgabe auch unseren diesjährigen Bericht um mehrere Monate verspätet hat. Wir empfehlen dieselben geneigter Berücksichtigung. Auf den §.15 glauben wir aber hier insbesondere aufmerksam machen zu sollen.. Indern wir nämlich, nach Namen und Bestimmung unserer Anstalt, lediglich berufen sind, Gemeinde-Angehörige zu berücksichtigen, so läßt jener Paragraph eine Möglichkeit offen, bei Gaben zu sofortiger Vertheilung auch nicht zum Gerneinde-Verbande gehörige israelitische Armen dahier zu bedenken. Der Wille der edlen Geber ist dabei für uns maßgebend.