Bericht des Pflegamtes des Almosenkastens der israelitischen Gemeinde über dessen Wirksamkeit im Jahre ...
- Journal
- Bericht des Pflegamtes des Almosenkastens der israelitischen Gemeinde über dessen Wirksamkeit im Jahre ...
- Volume
- 1853 (über das Jahr 1852)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2153553-10577943--036-2153771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jahresbericht. 1852* fein Jahr entschwindet so schnell dem Glücklichen. Aber lange ist ein Jahr, mit seinen leidend vollen Tagen und kummervollen Nächten, dem Unglücklichen, dem armen Familienvater, der um Brod sorgt, der kranken Familienmutter, welcher das Nöthigste fehlt! — Cs durchdringt uns daher in dem Augenblicke, wo wir wieder anfein Jahr der Wirksamkeit unserer jungen Anstalt zurückblicken, das erhebende Gefühl, im Laufe desselben wieder so manche stille Thräne des Unglücks mit theilnehmender Hand getrocknet, so manche trübe Stunde der Armuth mit dem Sonnenblicke der Wohlthätigkeit erheitert zu haben. Da wir uns aber nur als die Boten unserer begüterten Brüder und Schwestern betrachten, wie sie selbst die Boten Gottes sind, so bringen wir hiermit beim Jahresschlüsse den in unsere Hände uiedergelegten reichlichen Dank der Armen ihnen und dem Geber alles Gnten dar, welcher unsere Vaterstadt und Gemeinde mit dem doppelten Segen des Wohlstandes und der Wohlthätigkeit väterlich beglückt hat. Unser Eapitalfond, auf dessen Erhöhung unser Augenmerk besonders gerichtet bleibt, hat im vergangenen Jahre, sowohl durch mancherlei Geschenke und Stiftungen, als namentlich durch eine zufällige Mehrung von Bürgeraufnahmsgeldern einen größeren Zuwachs erhalten, während wir theils.in regelmäßigen Spenden, theils in außerordentlichen Unterstützungen eine Summe von fl. 4013. 47 kr., also fl. 1679. 9 kr. mehr als im vorigen Jahre verausgaben konnten. — So erfreulich dieses Resultat auch erscheint, so bleibt doch unser Fond, bei dem Mangel an allen Stiftungen für die Armenpflege in der israelischen Gemeinde, immer noch sehr klein, und wir empfehlen denselben daher immer aufs Neue dem menschenfreundlichen Sinne unserer Mitbürger überhaupt und der Wohlthätigkeit unserer! Glaubensgenossen insbesondere. — Wer auch von Euch, edle Mitbrüder und Schwestern, die Gott mit Glücksgütern gesegnet, sollte nicht bereitwillig beitragen, eine Anstalt immer bester zu fundiren, welche nicht blos die Gegenwart, sondern ganz besonders die ungewisse Zukunft im Auge behält? welche, so weit! menschliche Fürsorge reicht, für den möglichen Umschwung der Dinge, dem Einzelnen, wenn seine Quellen versiegen, eine gemeinsame Quelle sichern-will, wo er für sein Unglück Thcilnahme, für sein Zutrauen Verschwiegenheit, für seine Noth Erleichterung finde? — Gewiß, in der guten Fundirung -unserer Anstalt wird sich einst das heilsamste Fideicömmiß erweisen für die Gemeinde; in ihr bewährt sich am schönsten die Wahrheit: wer für die Gesammtheit sorgt, der sorgt für sich. , Mit besonderem Dankgefühle verzeichnen wir daher die erste größere Stiftung, welche bisher unferm Almosenkasten zu Theil geworden ist. Cs wurde uns nämlich im vergangenen Jahre — in Erfüllung des Wunsches ihrer seligen Mutter, der verstorbenen Frau Bertha Reiß, gebornen Halle, — von deren Hinterbliebenen Kindern die Summe von G-intausend fünfhundert Gulden mit der ausdrücklichen Bedingung übergeben, daß davon wenigstens 1000 fl. als unangreifbarer Fond, wovon nur der jährliche Zinsenertrag für die Zwecke des Almosenkastens verwendet werden darf, fortbestehen.soll. Mochte dieses edle Werk, welches das Andenken der Seligen als einer Mutter unserer Armen dauernd unter uns erhalten wird, auch noch dadurch segensreich wirken, daß es andere Wohlthäter zu eifriger Nachahmung anffordere und bewege! —_