Bericht des Pflegamtes des Almosenkastens der israelitischen Gemeinde über dessen Wirksamkeit im Jahre ...
- Journal
- Bericht des Pflegamtes des Almosenkastens der israelitischen Gemeinde über dessen Wirksamkeit im Jahre ...
- Volume
- 1849 (über die Jahre 1847 und 1848)
- Date
- 1849-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Der Bericht über die Wirksamkeit des Almosenkastens der israelitischen Gemeinde umfaßt einen Zeitrauin von zwei Jahren, während welcher jene Wirksamkeit in fortwährendem Zunehmen begriffen war. Die Summe der uns im Jahre 1847 zur Vertheilung zugekommencn Spenden hat sich, verglichen mit dem vorhergcgangcnen Jahre, verdoppelt und wenn das Jahr 1848 für den Almosenkasten etwas tveniger ergiebig war, so ist der Grund hiervon gewiß nur in allgemeinen Verhältnissen zu suchen. In der That, wenn cs noch eines Beweises der Zweckmäßigkeit der unserer Pflege anvertrauten Anstalt sowohl für die Unterstützenden als für die Unterstützten bedürfte, so wäre er in den gewonnenen Resultaten zu finden. Eine eigene Rubrik in dem anliegenden Verzeichnisse bilden die im Laufe des Sommers 1847 von den Herren Freiherren von Rothschild zur Ausgabe von Brodkarteu uns großmüthig zur Verfügung gestellten Mittel, für welche wir den lebhaftesten Dank hiermit wiederholt auszusprechen gerne Veranlassung nehmen. Es erinnert diese Ausgabe von Brodkarten an eine trübe, traurige Zeit, an eine Zeit der Noth und Theurllng, welche durch die politischen Ereignisse des Jahres 1848 dein Gedächtnisse bereits entrückt worden war. Möchte sie nie wiederkehren, jene traurige Zeit, möchte aber der wohlthätige Sinn aller unserer geliebten Mitbürger, welchem unsere Anstalt schon so manche willkommene Zuflüsse verdankt, derselben unter allen Verhältnissen wohlwollend zugewendet bleiben. Die uns zur Vertheilung an Dürftige zugestellten Spenden sind jedesmal gewissenhaft nach Vorschrift und zwar durch die Armenpfleger persönlich vertheilt worden. Aber auch in den beiden abgelaufencir Jahren sind uns einzelne Gaben zugekommen, denen ausdrücklich die Bestimmung gegeben war, zur Vermehrung des Kapitalfonds zu dienen. Dadurch, und durch Hinzurechnung der Zinsen hat der Kapiralfond der Anstalt wieder einen kleinen Zuwachs gewonnen, und dieselbe wird hierdurch in den Stand gesetzt, sowohl Gemeinde-Angehörigen, welche nicht in die Zahl der regelmäßig Unterstützten gehören, in Verlegenheiten Hülfe zu bieten, als auch in besonders dringenden Fällen allgemeine Vertheilungen von Spenden, unabhängig von den vorgeschriebenen, eintreten zu lassen. Wir benutzen die Gelegenheit, um die unserer Pflege auvertraute Anstalt den Mitgliedern der Gemeinde und unseren Mitbürgern im allgeineinen angelegentlich zu empfehlen. Die Zeitumstände sind nicht günstiger, der Arbeiterverdienst ist nicht leichter geworden. Die Zahl derer, denen es au Beschäftigung fehlt oder welche mit dem redlichsten Willen und der äußersten Anstrengung ihrer Kräfte nicht im Stande, sind, sich und ihre Familien auch nur nothdürftig zu erhalten, nimint leider zu. Glücklich genug, daß jener Wohlthätigkeitssinn, welcher mit den Mitteln nicht immer ängstlich Rechnung hält, und sich häufig bis zur Selbstverläugnung steigert, in unserer geliebten Vaterstadt heimisch ist und daß eine Anstalt, wie die unsrige, nur die Aufgabe hat, gelegentlich anzuregen und in Erinnerung zu bringen. Frankfurt am Main, den 12. Februar 1849. Das Pflegamt des Almosenkastens der israelitischen Gemeinde Isaak Rothschild, Präsident. Jakob Salomo» Katz, Armenpfleger. L. Rapp, Armcnpfleger. Baruch Bon», Armenpfleger. Nathan M Adler, Armenpfleger. Isaak Goldschmidt, Kassier. Alex. Joseph Rindskops. Stein, Rabbiner. Abraham Elliffen, Sekretär.