Bericht des Pflegamtes des Almosenkastens der israelitischen Gemeinde über dessen Wirksamkeit im Jahre ...
- Journal
- Bericht des Pflegamtes des Almosenkastens der israelitischen Gemeinde über dessen Wirksamkeit im Jahre ...
- Volume
- 1921 (über das Jahr 1920)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
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4 Freunde uns seither stets mit ausreichenden Mitteln versehen haben, so oft es nottat, einen Appell an die Allgemeinheit zu richten, so sind wir der festen Ueberzeugung, daß unsere Bitten auch weiterhin nicht ungehört verhallen werden, wenn wir abermals an die Oeffentlichkeit treten müssen. Indessen ist es mit materieller Beihülfe allein nicht getan. Ebenfo nötig wie diese brauchen wir frische Arbeitskräfte, wenn anders die Pflichten, die wir zu erfüllen haben, auch weiterhin in wahrhaft sozialem Geiste ausgeübt werden sollen. Die Bewältigung der an uns herantretenden stets neuen Aufgaben wird fast unmöglich sein, wenn nicht wohlwollende, arbeitsfreudige Kräfte sich uns anschließen, die bereit sind ihre Vormittagsstunden in den Dienst unserer Sache zu stellen. Die Zahl der aktiven Pfleger reicht bei weitem nicht aus und wir gedenken bei dieser Gelegenheit mit besonderem Danke unseres hochverehrten Herrn Philipp Schiff, der, obschon er im vorigen Jahre wegen seines hohen Alters eine Wiederwahl ablehnte, nach wie vor seine Tätigkeit in unserem Pflegamte unermüdlich fortsetzt. Möge ein gütiges Geschick unserem lieben väterlichen Freunde Herrn Schiff noch lange Jahre verstatten, in jugendlicher, geistiger und körperlicher Frische zum Besten unseres Pflegamtes zu wirken. Möge aber auch sein leuchtendes Beispiel jüngere Kräfte unter unseren Glaubensgenossen zur Nacheiferung und gleichen Betätigung anspornen I Auf den Verlauf des Berichtsjahres übergehend, haben wir leider eine abermalige wesentliche Verschlechterung unserer allgemeinen Verhältnisse festzustellen, deren Ende noch keineswegs abzusehen ist. Einer stark verminderten Erwerbsmöglichkeit steht die phantastische Verteuerung der notwendigsten Lebensbedürfnisse gegenüber. Arbeitslosigkeit, Krankheiten, unvorherzusehende Unglücksfälle mehren ständig die Zahl der Hülfsbedürstigen. Immer mehr erschwert sich die schon in früheren Berichten erwähnte Lage des Mittelstandes und der Beamtenklasse, die bisher auf eigenen Füßen stehend sich auskömmlich ernähren konnten und nun einen erheblichen Teil derjenigen bilden, die genötigt sind, sich, schweren Herzens, bittend an uns zu wenden. Vielfach konnten wir leidlich für Milderung des harten Loses der bedrängten Familien eintreten, aber ausreichend zu helfen sind wir, das leuchtet ein, nicht immer imstande. Als besonders geeignets Mittel zu dauernder Hülfe gewähren wir unseren notleidenden Mitbürgern Darlehen zur Aufrechterhaltung des alten oder zur Ergreifung eines neuen Berufs. Dieser Weg bedeutet gegenüber der periodischen Unterstützung einen wesentlichen sozialen Fortschritt,- indem wir hierdurch den Hülfesuchenden die Möglichkeit bieten, sich wieder emporzuarbeiten und auf weitere Wohltätigkeit verzichten zu können. Um aber für alle diese Zwecke gerüstet zu sein, müssen wir immer von neuem den Ruf an unsere mit Glücksgütern gesegneten Glaubensgenossen ergehen lassen: Helft uns, wo immer und so oft Ihr könnt!