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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit. · p. Seite 176

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit.
Date
1903-01-01
Page
Seite 176 (sequence 5)
Language
German
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176 . . . . Die Bilanz ist eben keine Bilanz, sie ist nur ein Blender. Und diesen Zweck erfüllt sie recht schlecht. Wenn die Zionisten haben beweisen wollen, daß Juden unter Umständen erstaunlich schlechte und erstaunlich sorglose Geschäftsleute sein können, so ist ihnen das gelungen." Im August 1902 hatten sich die Berliner Zionisten versammelt, um eine Vorfeier der Zerstörung Jerusalems zu veranstalten. Dazu bemerkt Herr M. A. Klausner giftig („Jsr. W.", Nr. 33): „Die Vorfeier eines Gedenktages ist nicht eben jüdischer Art. Doch die Thatsache selbst, daß eine stattliche Anzahl von Personen zu dem angegebenen Zweck sich zusammengefunden, ist erfreulich. Die „Vorfeier" begann mit dem Vortrag des Psalm 137 durch Herrn Berliner, Kantor an der Synagoge Rhawas Scholoum. Der Vortrag war sehr schön — die zionistische Gemeinde aber muß ihn nicht verstanden haben oder von jedem Takt verlassen sein, denn sieklatschte nach dem ergreifenden Trauerhymnus Beifall, als ob es sich um eine Ueberbrettl- Darbietung gehandelt hätte. Es folgte eine „Ansprache" über die Bedeutung des 9. Ab, in der Bar Kochba als Vorläufer der Zionisten in vorbildlicher Bescheidenheit hingestellt wurde. So viel wir wissen, hat Bar Kochba mit dem Schwert dreingeschlagen und nicht mit der Zunge gerasselt." Die „Allgemeine Zeitung des Judentums", die im übrigen eine ganz andere Stellung einnimmt, als das Organ des hitzigen M. A. Klausner, befindet sich mit diesem betreffs der Zionistenfrage in völliger Übereinstimmung. Als ein Extrablatt der „Welt" die große Kunde verbreitet hatte, daß Dr. Theodor Herzl, der Präsident des zionistischen Aktionskomitees, am 17. Mai 1901 von Sr. Majestät dem Sultan in längerer Audienz empfangen worden sei, glossierte die „A. Z. d. I." (Nr. 21, 1901) dies Ereignis folgendermaßen: „In der „Times" stand gar zu lesen, daß Dr. Herzl mit Abgesandten Rothschilds und Bleichröders Zusammen empfangen wurde, um dem Sultan eine Anleihe unter der Bedingung anzubieten, daß er ihre Pläne über die Besiedelung Palästinas mit Juden acceptiere. Das diesem Telegramm auf dem Fuße folgende Dementi war für Eingeweihte wohl kaum nötig. Hoffentlich hat der Präsident des zionistischen Aktionskomitees bei dem Sultan recht viel erreicht und hoffentlich erfährt man dies auch recht bald durch ein Extrablatt der „Welt", damit man nicht auch diese Nachricht in die Reihe jener „Sensationen" stellen muß die bisher regelmäßig wenige Wochen vor der Einberufung eines jeden Zionistenkongresses eingetroffen sind/' Der zu Anfang des Jahres 1902 abgehaltene fünfte Zionistenkongreß erweckte den ganzen Zorn der „A. Z. d. I." (1902, Nr. 4). lieber die Rede Max Nordaus, „die auch diesmal der Glanzpunkt des Kongresses sein sollte", wird folgendermaßen geurteilt: „Welche maßlosen Uebertreibungen, welcher Schwall von Worten und Phrasen, wie viele unerwiesenen Behauptungen, waren in dieser Rede zu konstatieren! Und wie vieles, was selbstverständlich ist, wurde hier mit einer breiten Behaglichkeit aufgebauscht, die wir längst kennen, und die keinem tiefer Denkenden mehr zu imponieren vermag." Nordau hat erbittert geäußert: „Die Heuchler und Schwätzer, die von der Mission des Judentums unter den Völkern faseln, sie wissen vom Judentum genug, wenn sie wissen, wie viel Gehalt sie beziehen und wie viele reiche Leute sie noch in der Gemeinde haben." Diesen gegen die Rabbiner geführten Hieb erwidert die „A. Z. d. I." mit der kräftigen Anrempelung: „Also immer und immer wieder dieselbe kleinliche und erbärmliche Betrachtungsweise! Und dabei wird übersehen, daß gerade aus dem Kreise, den der Redner in so häßlicher Weise angreift, alles stammt, was bisher auf dem Gebiete der jüdischen Statistik geleistet wurde."

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