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Jüdischer Almanach · 1910-01-01 · 5670/1910 · p. Seite 198

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5670/1910
Date
1910-01-01
Page
Seite 198 (sequence 226)
Language
German
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IRI
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Landarbeiterfrage in Palästina, Von SALOMON KAPLANSKY. in Werk von unermeßlicher sozialwirtschaftlicher Tragweite soll in Angriff genommen werden. Dem jüdischen Volke, das um sein Erdreich ringt, wird es vielleicht vergönnt sein, im Kampfe um seine Selbstverwirklichung die Gesittung zu bereichern, neue Formen menschlichen Mitlebens zu schaffen. Der neunte Zionistenkongreß in Hamburg hat eine von dem Jüdischen sozialistischen Arbeiterverband Poale- Zion und den Landarbeitern Palästinas nachdrücklich erhobene Forderung erfüllt und die genossenschaftliche Kolonisationsmethode in den Tätigkeitsbereich der zionistischen Organisation aufgenommen. Auch dieser Gedanke hatte seinen Leidensweg, bis ihm der neunte Kongreß zum Siege verholfen. Ein Jahrzehnt ist verflossen, seitdem Theodor Herzl in der fünften Kongreßrede die Methoden und Ziele der „nationalen Kolonisation" folgender Art erörterte: „Wenn man uns aber fragt, was wir mit den Ansiedlern anfangen wollen, so sind wir nicht in Verlegenheit. Wir wollen sie zu Bodenständigen, zu wirklichen Landsassen machen. Sie sollen auf der Scholle, von der Scholle leben, nicht besorgt als kraftlose Händler nach dem Marktpreis auslugen. Den Markt sollen sie nur mit den Erzeugnissen aufsuchen, die sie über den Eigenbedarf hinaus haben. Jede Ansiedlung soll sich nach den Grundsätzen, die uns Erfahrung und Wissenschaft heute schon in die Hand geben, als landwirtschaftliche Produktivgenossenschaft selbst verwalten . . . Was sich auf diesem breiten, festen Unterbau einer arbeitenden landwirtschaftlichen Bevölkerung erheben wird, welches moderne und wohnliche Gebäude, das wird vom Volke selbst abhängen, nachdem wir ihm die Selbstbestimmung seiner Geschicke verschafft haben werden". Es waren Worte eines Mannes, der nicht nur die Judennot, sondern auch das Elend und die Trostlosigkeit unserer heutigen Gesellschaft tief in der Seele empfunden hat. Sein nie rastender, schöpferischer Geist erfaßte rasch die Bedeutung des von Franz Oppenheimer vertretenen Gedankens für das jüdische Siedlungswerk. Doch was im Jahre 1901 die Sehnsucht eines einzigen Weitblickenden nach einer gerechteren Ordnung des Lebens war, wurde 1910 nach sieben Jahren zionistischer Siedlungspolitik in Palästina zu einem Gebot der Notwendigkeit. Das jüdische Kolonisationswerk in Palästina hat eine abgeschlossene Entwicklungsperiode, die der Geschichte angehört. Es hatte Zeiten des Aufschwunges, es mußte noch häufiger gegen krisenhafte Erscheinungen ankämpfen. Eines der schwierigsten, nur mühselig zu lösenden Probleme des palästinensischen Besiedlungsprozesses ist das Agrarproblem. 198

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