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Jüdischer Almanach · 1910-01-01 · 5670/1910 · p. Seite 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5670/1910
Date
1910-01-01
Page
Seite 35 (sequence 41)
Language
German
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Briefe Theodor HerzFs Von ADOLF STAND. Im Februar 1897 berief mich folgendes Telegramm Herzl's nach Wien: „Wenn kein allzu großes Opfer — wäre Ihre sofortige Hieherkunft sehr erwünscht. Gruß Herzl." Ich folgte dem Rufe des Führers und begab mich nach Wien. Dort lernte ich Herzl persönlich kennen. Einige Tage lang war ich sein Gast. Wir besprachen gründlich und allseitig alle prinzipiellen und aktuellen Fragen. In den ersten stimmten wir vollständig überein, bezüglich der zweiten konnten wir eine beiderseitige Neigung zur Nachgiebigkeit feststellen. Unsere Zusammenkunft zerstreute in mir manchen Zweifel und zerstörte viele falsche Ansichten Herzls. Ich nahm mit Erstaunen wahr, daß sich Herzl all das, v/as mich und meine Freunde zehnjährige Arbeit, Mühe und Erfahrungen gekostet hatte, in einigen Monaten aneignete. Bei uns gab es Phasen und Übergänge, bei ihm sofortige volle Reife. Bei uns bildete sich alles evolutionistisch, bei ihm eruptiv. Jeder von uns dachte schwerfällig, er blitzartig. Er bekannte sich zu unseren konsequentesten Anschauungen und brachte in sie den großen genialen Zug. Wir kamen einander näher. Ich gewann Herzl's Sympathieen, welche er mir bis zu seinem Tode bewahrte und er meine Verehrung, die sich nach dem Ableben des Führers in's Ungemessene steigerte. Ich kehrte nach Hause zurück und setzte meine Arbeit nach den Weisungen des Meisters fort. Einige Tage nach meiner Heimkehr erhielt ich folgenden Brief: 18. II. 97. Lieber Herr Stand! Besten Dank für Ihren Brief, dessen verspätetes Eintreffen jetzt durch Ihr Unwohlsein erklärt ist. Es hat auch mich gefreut, Sie kennen zu lernen. Sie sind trotz Ihrer Jugend ein Mann, von dem ich mir für unsere Sache etwas verspreche, und insbesondere gewährt es mir eine Beruhigung, daß Ihre Begeisterung keine unbesonnene ist. Sie sind einer der Leute, die ich mir als die redlichen Fortsetzer des Werkes denke, wenn ich einmal nicht da sein werde. Vorläufig, hoffe ich, wollen wir noch eine Weile Hand in Hand arbeiten. Die Wahlkampagne ist inzwischen eingeschlafen. Kellner will ebensowenig wie Salz, und ohne nennbare - Kandidaten können wir keine Wahlfonds sammeln. Machen Sie etwas 35

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