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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1907-01-01 · 5668 = 1907/08 · p. Seite 114

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5668 = 1907/08
Date
1907-01-01
Page
Seite 114 (sequence 123)
Language
German
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jüdisches Frauenbunb Im Juni 1905 ist in Berlin gelegentlich der Tagung des Internationalen Frauenkongresses die Gründung eines jüdischen Frauenbundes beschlossen worden. Dieser soll den englischen und amerikanischen Frauenbünden gleich, alle deutschen jüdischen Frauenvereine umfassen und zu gemeinsamer Arbeit vereinigen. " Die zwei nachstehenden Paragraphen eines Statutenentwurfs, die den allgemeinen Arbeitsplan umgrenzen, lauten: Z 2. Zweck des Bundes ist der Zusammenschluß zu gemeinsamer Arbeit. a) in gegenseitiger Anregung für die Interessen der Allgemeinheit. Als Arbeitsgebiete gelten zunächst die Wege und Ziele sozialer Hilfstätigkeit, der Volkserziehung, der Förderung des Erwerbslebens jüdischer Frauen und Mädchen, Hebung der Sittlichkeit, Bekämpfung des Mädchenhandels usw. d) im Erwecken des Interesses an allgemein-jüdischen Bestrebungen der Gegen- . wart und durch Stärkung des jüdischen Gemeinschaftsbewußtseins. 8 3. Der Bund verfolgt die Gesamtinteressen der jüdischen Frauenwelt. Er will Gelegenheit zum Gedankenaustausch, zu Vergleichen, zur Kenntnisnahme mustergiltiger Einrichtungen, zur Anregung selbständiger Schöpfungen geben und enthält sich jeden Eingriffes in die Selbständigkeit der einzelnen Vereine. Politische und religiöse Parteifragen sind ausgeschlossen. Wie aus den angeführten Paragraphen hervorgeht, handelt es sich darum, die den Vereinen gemeinsamen Interessen aufzusuchen und zu fördern und die jüdischen Frauen für ihre großen Aufgaben in der Familie, in der Gemeinde und im Staate tüchtiger zu machen. Der jüdische Frauenbund soll ferner eine Auskunftstelle für alle Fraueninteressen werden. Es steht zu hoffen, daß durch eine derartig große, sich stetig ausdehnende Organisation das Solidaritäts- und Verantwortlichkeitsgefühl der jüdischen Frauen geweckt und gestärkt wird. Der jährliche Mitgliedsbeitrag eines Vereins bis zn 100 Mitgliedern ist auf lO Mk. festgesetzt; je weitere 100 Mitglieder haben gegen Zahlung von weiteren 10 Mk. noch eine Stimme. Anmeldungen und Aufragen sind zu richten an Frau Henriette May, Berlin, Wilhelmstr. 133. Für das Komitee des jüdischen Frauenbundes: Bertha Pappenheim, Frankfurt a. M>, Praunheimerstr. 9. Sidonie Werner, Hamburg, Grindelweg la. Henriette May, Berlin, Wilhelmstr. 133. verband der lliteraturoereine Vorstand: Dr. Gustav Karpeles- Berlin, 1. Vorsitz. Rabbiner Dr. Frank- Köln, 2. Vorsitz. Dr. Hirsch Hildesheimer- Berlin, Schriftführer. Oscar Berlin, Schatzmeister. Dr. med. F i n k - Hamburg, Kaufm. Siegfried Freuno- Dortmund, Bankier Emil L. Meyer- Hannover, Dozent Dr. M. B r a n n-Breslau, Prof. Dr. I. H o r o w i tz - Thorn, Beisitzer. Geschästsführender Ausschuß: Dr. Gustav Karpeles, Vorsitzender. Dr. Hirsch Hildesheimer, Schriftführer. Oscar Berlin, Berlin W., Steglitzerstraße 66, Schatzmeister. Sekretär: Schriftsteller Albert Katz, Pankow b. Berlin, Florastr. 58. Dem Vcrvalld, von Karpclcs gegründet und ausgebaut, sind fast alle jüdischen Literatur- Vereine in Deutschland (ca. 250) angeschlosseu. Der Verband gibt alljährlich ein Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur heraus. Man geht wohl nicht fehl, wenn man behauptet, daß von allen Institutionen, die zur Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins beitragen, die jüdischen Literaturvereine an erster Stelle stehen. 114

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